Sonntag, 12. April 2015

Schmetterlingsprozess - Tag 27/60


12. April 2015  Wut
Nach inspirierenden Fragen zur Wut ist es heute mein Thema. Auf einer emotionsbeschreibenden Skala von tief schwingenden Gefühlen bis zu hochschwingenden Gefühlen wie Scham, Wertlosigkeit, Apathie, Verzweifelung, Trauer, Depression, Angst, Schuld und Beschuldigung, Neid, Mangel, Hass, Rache – kommt Wut so etwa in der Mitte vor. Wut ist eine Brücke zurück in Kraft und Energie. Danach folgt Entmutigung, Sorge, Zweifel, Verwirrung, Enttäuschung, Stress, Überlastung, harte Arbeit (auf diesem Level leben viele Menschen und denken das wäre normal) Frustration, Ärger, Ungeduld. Nun folgt der Wendepunkt mit Zufriedenheit, Langeweile, Selbstvertrauen, Akzeptanz – wie eine Ruhezone – dann folgt Mut, Interesse, Hoffnung, Neugier, Optimismus, Glaube und dann kommen wir langsam in die hochschwingenden Gefilde wie positive Erwartungen, Glücklichsein, Begeisterung, Elan, Liebe, Wertschätzung, Freiheit, Freude, Glückseligkeit und als Höhepunkt Ekstase.
Ich habe mir eine Skala gemacht aus diesen Worten und ich überprüfe mich mit der mir größtmöglichen Ehrlichkeit. Wo stehe ich heute? Oder auch wo stehe ich mit diesem Thema? Wo stand ich letzte Woche und wo vor vier Jahren? Es ist wichtig zu wissen, wo ich stehe. Damit ich begreife, dass ich schon ganz viel geändert habe, wenn ich bei Neid ankomme und das ich noch mehr geschafft habe, wenn ich bei Wut oder Langeweile bin. Und es ist wichtig zu wissen, wo ich stehe, damit ich nicht gedrängelt durch gesellschaftliche Tabus meine Wut gleich wieder abstelle, sondern ich kann sie zelebrieren, denn kommend aus tiefster Verzweifelung ist Wut ein riesen Fortschritt. Kommend aus jahrzehntelanger Verdrängung ist das spüren der Wut eine Erleuchtung! Mir war es ein riesen mutiger Schritt vor mir selber meine Wut zuzugeben. Schöne Mädchen sind doch nicht wütend. Wo bleibt denn deine Contenance?
Zum Kotzen, da werd ich gleich wieder wütend! Wie oft ich mir das hab sagen lassen und vor alllllleeeeem, wie oft ich mich habe durch diese Sätze beeinflussen lassen!!! Anstatt die (und es waren ausschließlich MEINE Männer, die mir das sagten), also anstatt diese Männer in den Wind zu schießen. ICH hab mir das sagen lassen! Ich bin der Dreh- und Angelpunkt in der Veränderung meiner Welt! Ich wollte so sehr gefallen, dass ich meine Klappe gehalten habe.
Jetzt darf ich wütend werden und es gab eine Zeit, da wurd ich mehr wütend als adäquat, aber das war wichtig. Weil wenn ein Pendel stark in die eine Richtung ausschlägt, dann muss es erstmal in die andere Richtung ausschlagen.
Und es gab eine Zeit, da konnte ich nicht auf meinem Meditationskissen sitzen bleiben, wenn Wut kam. Es gab Zeiten da konnte ich mich nicht stoppen im ausagieren, da habe ich es nicht geschafft meine Gefühle mit mir auszumachen. Und ich bin mir sicher, dass es auch in Zukunft noch Situationen gibt, wo neue Schichten Wut in mir aufbrechen und ein blöder Spruch von irgendjemandem reicht und ich kann es wieder nicht aufhalten und agiere es dennoch aus. Es gibt Zeiten, da brauche ich meine Schwimmwürste und verprügle mein Sofa oder einen Deckenstapel. In unsere Familie hat Wut einen wertvollen Platz bekommen und ich sehe an meinen Töchtern dass ein umlernen möglich ist und gute Erfolge erzielt. Vor drei Jahren haben sie ich ausgelacht oder waren genervt von mir mit meinem ewigen fühlen, fühlen, fühlen – hier dürfen alle Gefühle sein und meine Tochter sagte einmal zu mir, dass das wunderbare hier zu Hause wäre, dass alles sein darf und sie immer geliebt ist, egal wie sie sich fühlt – es gibt dafür hier Raum. Niemand wird wegen einem Wutanfall ins sein Zimmer geschickt oder soll alleine weinen – er darf, wenn er will, aber er kann auch in den Arm kommen. Eine Wutattacke im Arm eines anderen in mir selber zu fühlen, dass ist innige Verbundenheit. Wenn ich meine Tochter halte, während sie wütend ist und wir gemeinsam dadurch gehen – dann fühle ich sie wachsen, stark werden. Sie darf sein, wie sie ist und fühlen was dran ist.
Ungefühlte Gefühle hinterlassen Abdrücke. Wir kennen es von Kleinkindern, die schreiben und toben und schon Sekunden später wieder lachen können. Werden Gefühle direkt gefühlt, fließen sie durch wie der Strom durch die Glühdrähte der Birne. Sie leuchten und wenn sie durchgeflossen sind, leuchten sie nicht mehr oder anders. Mal rot, mal grün, mal gelb und mal glitzernd.
Ich liebe es meine Gefühle auf dem Meditaitonskissen mit mir zu fühlen, weil ich inzwischen herausgefunden haben, wie gnadenlos tief ich in mir dabei komme, wenn so hochkochende Gefühle wie Wut und Hass, Neid, Eifersucht, Ekel sich transformieren. Das ist kein Spaß, das tut weh wie Hölle – aber ich weiß, wenn ich meine Widerstand aufgebe, mich dem Gefühl voll und ganz hingebe, dann bringt mich das auf ganz neue Ebenen. Das hört sich vielleicht, so hingeschrieben leicht an, aber das ist es nicht. Es ist genauso schwer, schmerzhaft und anstrengend wie ein krasser ausagierter Streit.
Doch es in mir zu fühlen, anstatt es auszuagieren, hat den Vorteil, dass ich in mir etwas dadurch heile. Jede gefühlte Energie transformiert sich automatisch in eine höher schwingende Energie. Wir fühlen es danach. Wir fühlen uns leichter und vor allem klarer. Es hat den Vorteil, dass ich mich danach nicht ärgern brauch, dass ich jemanden unfair verletzt habe. Was ich ehrlich gesagt jedes Mal tue, wenn ich ein Gefühl ausagiere. Es gibt keinen fairen Streit. Es gibt kein, aber der hat doch angefangen. Keine Schuldfrage, kein Recht haben.
Ich habe es schon mal geschrieben und ich werde es wieder tun, weil es so wichtig ist: sobald schmerzvolle Gefühle auftauchen, ist das Mantra „Genauso habe ich mich als Kind gefühlt.“ Heute wird das Gefühl nur angetriggert. 98 % aller Gefühle in uns sind alt und werden nur angetriggert. Die angeblich bösen Anderen berühren NUR unsere unter der Haut vorhandenen Knöpfe, die Dornen in den Wunden. Und die sollen weh tun, damit wir sie endlich ziehen, damit die Wunden endlich heilen können. Zeit heilt keine Wunden – das ist ein Trugschluß. Wir wissen es alle, weil wir alle unendlich viele Uraltwunden in uns haben, die auch nach Jahrzehnten immer wieder aufblubben. Wir können die Konfrontation mit ähnlichen Themen meiden, aber die Wunden heilen nicht von selber.

Übung: Mach dir deine eigene Skala mit den Begriffen vom Anfang des Artikels und überprüfe dich immer wieder. Wo stehst du?
Diese Skala ist ein hilfreiches Werkzeug.
Wenn du 90% deiner Heilung abgibst an die geistige Welt, das Universum, Gott, Engel oder wem auch immer. Wenn du aus dem Weg gehst und die den größten Teil der Arbeit machen lässt, dann bleiben 10% übrig als dein Job: 1. Den Entschluss fassen, wieder und wieder, dass du heile wirst! 2. Dafür sorgen, dass es dir besser geht. Und dafür ist diese Skala da. Mit ihr kannst du überprüfen, wo du wirklich stehst, was du in den letzten Wochen vollbracht hast. Du weißt mit dieser Skala, was als nächstes kommt. Gehe Schritt für Schritt – große Schritte oder Schnelligkeit sind nicht besser als langsam und Schritt für Schritt. 

P.S. Abends war ich auf einem Buddhistischen Treffen und da wurde mir von den 10 Welten berichtet in denen wir leben aus Buddhas Sicht. Sehr spannend: http://du-bist-buddha.de/?page_id=695

Jahresbotschaft 2015:
Das Jahr der Bewegung
Aus der Langeweile heraus mache ich es anders.
Dran bleiben. Lichtqualität. Herz Mitte halten beim Spin.
Schuld, Karma, Opferbewußtsein, Heilung muss in sich langweilig werden --> dann werde ich daraus zum neuen Schöpfer.

Papier, Bleistift, Tusche, Gold. 54 x 40 cm, Januar 2015

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