Freitag, 19. Mai 2017

Erleuchtung heisst heilen, nichts weiter // Tag 8

Über die 5 Silas

Gehen wir mal einen Schritt weiter als nur zu uns. Wenn wir wirklich tief heilen wollen, dann geht es auch darum das wir mit der Welt in der wir leben im Einklang sind. Dann geht es darum auch die Tiere und die Pflanzen auf Augenhöhe zu nehmen. In der Vipassana erklärt Goenka das so, dass wir nur heile oder uns reinigen können, wenn wir uns nicht täglich neu verschmutzen. Und dafür müssen wir eventuell uns aus der Komfortzone noch weiter rausbewegen, als wir es bisher taten. Da dürfen wir unsere Arbeit überprüfen. Tun wir eine Arbeit, die keinem Menschen, keinem Tier, nicht der Erde schadet??? Und es geht ganz deutlich darum, diese Berufe zu verlassen! Nicht mehr für Krieg oder Fleischproduktion zu arbeiten. Wir sind keine Fleischfresser, wir sind Allesfresser. Und es gibt in der momentanen Lage keine Ausrede dafür dem Vegetarier sein noch einen weiteren Tag auszuweichen. Wir überleben auch ohne das Massentierhaltungsfleisch – wir überleben sehr gut und sehr gesund komplett ohne Fleisch. Wir brauchen niemanden zu töten und auch die Milch, mit der millionen Kühe unsere Kinder genährt haben (Dank den wundervollen Kuhmüttern, die uns großzogen mit ihrer Nahrung) – diese Milch die gerade sogar im Bioladen existiert braucht kein Mensch. Wir Menschen haben sie zerstört. Sie zieht uns das Calcium aus den Knochen – es ist ein wundervolles Bild dafür – unsere Gier gepaart mit Bequemlichkeit bricht uns die Knochen, lässt uns zerbrechen. Wenn wir überleben wollen und wenn wir heile werden wollen, dann gehören die Kühe, die Schweine, die Pferde und Hühner auf einen von uns heiligst verehrten Platz und weg von der Speiseliste.
Buddha stellte in seiner Vipassanaschule fünf Silas auf nach denen schon damals jeder leben sollte – lange vor Massentierhaltung, einer Gesellschaft in der jeder 4. sexuell als Kind missbraucht wurde und der Erdzerstörung.

Die fünf Silas, das sittliche Handeln, gehe so:
1. kein lebendes Wesen töten
2. nicht stehlen
3. kein sexuelles Fehlverhalten
4. nicht lügen
5. keine Rauschmittel irgendwelcher Art nehmen

Diese einfachen Regeln sind für jede Person, unabhängig von ihrem Alter, in ihrem Wahrnehmungsbereich anwendbar und natürlich von der Bewusstseinsentwicklung des Einzelnen abhängig. Auch wenn es dazu zahlreiche Kommentare und Auslegungen gibt, bleiben sie so einfach und anspruchsvoll wie sie sind.
Wenn wir heilen oder erleuchten oder glücklich sein wollen, dann führt kein einziger Weg an diesen fünf Punkten vorbei. Auch wenn wir uns noch so sehr auf den Kopf stellen und Ausreden über Ausreden erfinden. Nur Vegan rettet diese Welt in diesem Moment und dieser Schritt fängt bei dir, bei mir bei jedem von uns im Kleinen an.

Ich würde noch zwei Silas hinzufügen, die von den Indianern als oberstes Gebot gelebt werden:

6. Kinder sind heilig
7. Jede Handlung muss für sieben Generationen zurück und nach vorne gut sein - ein Grundsatz mit dem bei Indianern jede Entscheidung getroffen wird. Für Mutter Erde! 

Und eine ganz wichtige und letzte Sila  möchte ich noch aus meiner Erfahrung hinzufügen:
8. Leichtigkeit, Freude und Gnade möge im Alltag unser höchstes Ziel sein. Gleichzeitig und neben allen Prozessen. 

Heute ist Tag 8, der Tag an dem der Wandel passiert. Der Tag an dem wir mitten im Feuer stehn und alles was alt und faul ist wie im Sturm abbrennt. Möge die Demut für Mutter Erde in uns wieder wichtigster Wegweiser sein. AHO


PS:Vipassana lernt man am besten hier:
https://www.dhamma.org/de/schedules/schdvara

Die Fünf Silas oder Pancasila (Pali pañcasīla, skt. पञ्चशील, IAST pañcaśīla) bezeichnen im Buddhismus die grundlegenden Übungsregeln (pali sikkhāpada) zur Entwicklung von Sittlichkeit (pali sīla).
Die Silas sind praktische Zusammenfassungen von Übungsvorsätzen für die Entwicklung des Tugendabschnitt des Edlen Achtfachen Pfades, (Rechte Rede, Handlung und Lebensweise) und als Gegenstand der Achtsamkeit im täglichen steten Verhalten zu verstehen. Die Einhaltung von Silas oder Verhaltensregeln erfolgt anfänglich auf Vertrauen (saddha), gewonnen aus grober Einsicht über den Nutzen des Verhaltens, im Hinblick auf Ursache und Wirkung (Karma) und fördert die Gewissensfreiheit, die zur Erlangung angemessener Konzentration und Einsichtgewinnung erforderlich sind. Gleichzeitig schützt die Einhaltung von Silas vor Verletzungen anderer sowie seiner selbst und trägt zur Harmonie im Umfeld und im Alltag bei.

Acryl, Bleistift auf Papier, 50 x 60 cm, 2016,

„Keine Ahnung“

Donnerstag, 18. Mai 2017

Erleuchtung heisst heilen, nichts weiter // Tag 7

Helden sind auf Augenhöhe.
Im Ende heilt sich jeder selber. Und wenn wir in der Kindheit kein Vorbild dafür hatten, also keine Blaupause, keine Abbild, keinen Abdruck davon bekommen haben, dann müssen wir uns den jetzt holen, schreib ich an Tag 1. Nicht ein anderer gibt uns einen Abdruck von sich, sondern wir werden erinnert an einen Abdruck den wir wie natürlich in uns tragen, sorum funktioniert das. Wir haben alles Wissen in uns, es darf geweckt und ausgelöst werden. Wir lernen nichts, wir werden erinnert an unser uraltes Wissen in uns. Das bringt auch die Augenhöhe zwischen Lehrern und Schülern, zwischen Ärzten und Patienten, zwischen Kindern und Eltern. Sooft wird durch hierarchische Verwechselungen Heilung verhindert, selbst an spirituellsten Orten. Niemand sitzt auf einem Chefsessel, einem Thron oder einer Bühne, der nicht sein eigenes Mangelprogramm gerade versenkt. Es geht immer einer voran und er bekommt Dank dafür, doch das macht ihn nicht zum Chef, sondern zum Helden. Helden sind aus dem Volk – deinesgleichen, sonst könnte es nicht heldenreich sein. UND das Gute an dieser Nachricht ist, wenn ein Vorausgeher „aus dem Volk“ ist, bedeutet das, er ist so wie du und ich. Nichts Besonderes also, ein ganz normaler Mensch, wie wir alle. Und wir alle können ihm folgen auf der eingeschlagenen Schneise, die der Held geschlagen hat durch den Dschungel. Wir könne nachmachen, die einzige Art des Lernens. Sobald wir dem Weg eines Heldens folgen machen wir diesen Weg zu unserem Weg, weil wir ihn auf unsere Art und Weise neu und anders gehen – das geht gar nicht anders. Und damit werden wir selber zum Helden.
Einen Tag nachdem ich dies hier schrieb frug mich eine Frau, ob wir nach einem Missbrauch tatsächlich vollständig heilen können oder ob es quasi eine „Superkraft“ ist, die uns einfach ausmacht? Ich liebe diese Frage, weil sie den oft nicht bemerkten Hinweis darauf gibt, wie Menschen sind, die einen Missbrauch überlebt haben. Dieses Überleben ist ein Training das etwas mit uns gemacht hat. Ja, wir können vollständig heilen und dennoch sind wir danach ganz andere Menschen, als wir ohne den Missbrauch und seine Heilung geworden wären. Meine Antwort war: wie wäre es mit BEIDES. Wie ein Held, der sein Abenteuer bestanden hat und mit dem Wunderelexier nach Hause kommt, das er in der Drachenhöhle gefunden hat nachdem er den Drachen überwunden hatte. Er alleine kennt den Weg durch die Höhle. Jetzt kann er es seinen Leuten beibringen und sie retten mit dem Elexier... und er lässt sich von Drachen keine Angst mehr einjagen und auch nicht vor dunklen Höhlen. Und wenn man son Abenteuer bestanden hat, ist man ganz schön über sich hinausgewachsen und steht anders im Leben als je zuvor und auch stärker als wäre das Abenteuer nicht passiert. ich finde wir sind HeldenInnen!
Ist es wichtig für die Heilung jedes einzelne Detail zu wissen? Was genau passierte und wer es genau war? Nein, für eine Heilung ist es nicht wichtig die Geschichte zu wissen. Überhaupt nicht. Wenn wir den Text über das Prinzip der Dramaqueen von Tag 3 mit im Kopf haben, dann ist eh die Frage, welcher unserer Geschichten wirklich zu einem Gefühl gehören oder nicht. Das einzige, was nicht übertreibt und was wir als Wahrheit deutlich in uns spüren, sind unsere Gefühle. Auf die können wir uns verlassen. Und die müssen wir penibel genau alle ernst nehmen, wissen, ausgraben und erfühlen. An dieser Stelle ist unser System dann wieder sehr, sehr genau. Jedes Gefühl möchte Beachtung haben. Übersehen Gefühle machen auf sich aufmerksam, entweder über Körpersprache in Form von Krankheiten, Schmerzen, Blockaden, etc oder in Form von Inszenierungen, von Geschichten, die wir wiederholen und wiederholen und immer wieder das gleiche Gefühl kreieren. Auch dabei geht es nicht um die Geschichten sondern um ein Gefühl was nach Aufmerksamkeit schreit. Geschichten transportieren die Gefühle, damit sie präsent bleiben. Und je öfter wir es ignorieren oder loswerden wollen, desto penetranter werden die Inszenierungen. Es gibt keinen Weg seinen Gefühlen auszuweichen. Keinen. Weder Drogen, noch Verdrängung, noch Verhaltenstherapie, noch Strenge, noch nicht mal Mord oder Selbstmord machen Gefühle weg, sie inkarnieren sich wieder und kleben, Karma genannt, an unserer Seele fest. Buddha nannte sie Sankaras und hatte mit der Vipassana-Meditiation ein wunderbares Werkzeug gefunden, mit dem wir uns Gefühl für Gefühl reinigen. Ich nenne die Gefühle Innere Kinder, weil ich darüber eine gute tröstende, liebende Verbindung mit ihnen aufbauen kann. Selbst die schlimmsten und schmerzhaftesten Gefühle möchte geliebt sein, gesehen und bis zum letzten Tropfen gefühlt sein, wie ein kleines Kind. Geben wir uns ihnen hin, fließen sie durch uns durch. Halten wir sie fern, schließen sie ein oder aus, lagern sie sich im Körper ein und wie oben schon geschrieben, inszenieren sie durch unser Unterbewusstsein immer neue Situationen, in denen sie eine neue Chance bekommen von uns wahrgenommen zu werden. Wir können uns ewig gegen sie wehren und damit Jahrtausende verschiedener Inkarnationen beschäftigt sein oder uns hingeben und fühlen. Fühlen ist Mensch sein und die Gegenwehr gegen Gefühle ist wie eine Gegenwehr gegen unser Menschsein. Das Paradoxon aber, dass ein geliebter Schmerz geht und ein Schmerz, den wir loswerden wollen bleibt, können wir nicht lernen über lesen oder das Wissen anderer, wir müssen es selber erfahren. Und in diesem Lernprozess liegt alle Heilung dieser Welt. Dieser Lernprozess ist Erleuchtung. So einfach und so schwer ist das. Mögen alle Menschen dieses Paradoxon fühlend erfahren, durchleben und damit heilen. AHO

Acryl, Bleistift auf Papier, 50 x 60 cm, 2016,

„Keine Ahnung“

Mittwoch, 17. Mai 2017

Erleuchtung heisst heilen, nichts weiter // Tag 6

Tag 6
Über Geben, Empfangen und Nehmen, Teil 3/3

Über wie man den Mangel, der hinter dieser Verwirrung steckt, wieder füllt.
Ich durfte in den letzten Tagen Zeugin eines tiefen Prozesses sein. Mein Enkelkind hatte seine erste Krankheit mit richtig hohem Fieber. Meine Tochter hat sie ganztägig im Arm gehalten und mit Liebe umhüllt. Das Kind durfte quängeln soviel sie wollte, weinen, wüten und schlafen. Was immer kam, meine Tochter hat ihr Kind einfach liebend gehalten und nicht einen Moment weggelegt. Ich habe noch nie so schnell eine Krankheit durchfließen sehen, wie da. Und es ging meinem Enkelkind richtig schlecht. Das war alles andere als leicht. Es war anstrengend für die Mutter. Sie hat alles andere liegen und stehen gelassen und hat sich dem gestellt, was immer kam, sie war da mit voller Liebe im Herzen. (Meine Tochter hat gefragt, warum ich das so wichtig finde zu erwähnen, weil es doch so "normal" wäre. Ich habe ihr gesagt, dass wenigstens meine Generation ganz anders groß geworden ist. Wir lagen in unseren Betten und wurden dort versorgt. Eventuell wurde unser Schreien und weinen sogar überhört - den Willen des Kindes brechen... ein Kind 24 Stunden im Arm halten ist eine andere Dimension von Liebe mit der es gefüllt wird. Ich wünschte, wir hätten das alle erlebt. Ich wünschte, ich würde eine Gesellschaft erleben dürfen, inder das alle erlebt haben. Dafür muss ich wohl nochmal in den Urwald, wo die normalen Menschen leben.)

Was meine Tochter tat, ist genau was ich lehre, wenn ich innere Kind Arbeit mache. Wir nehmen unsere Gefühle wie Innere Kinder auf den Schoß und fühlen sie. Liebe sie, halten sie – und es dauert so lange es dauert. Und ja, es tut weh und es ist manchmal eklig, fies und grausam. Es ist so oft nicht zum aushalten und dennoch geht es genau darum, dass wir uns halten. Das wir uns aushalten und da bleiben und dran bleiben und uns lieben – gerade dafür, dass wir fähig sind solche Gefühle zu fühlen. Wir sind Menschen und geboren fürs Fühlen. Genau deswegen sind wir hier. Wir wollen Erfahrungen sammeln und erfahren heißt fühlen. Und das Paradoxe ist eben, dass die, die denken, kann ich nicht, hab ich keine Zeit für, ich muss arbeiten gehen, oder oder ewig brauchen und krank werden von ihren Gefühlen und einen Alltag serviert bekommen, der sie immer mehr dazu zwingt endlich zu fühlen und die, die ihre tägliche Meditation machen und sich die Zeit für sich nehmen, die werden wie ein Wunder gesund, haben Zeit für ihre Arbeit und sich. Und haben ein glücklicheres Leben obwohl und weil sie fühlen.
Schließen wir den Kreis, machen ihn zur Kugel, darin fühlt sich besser als alles denkend auf der Scheibe zu betrachten. Wenn ich meinen Mangel heile, fließt Gebendes aus mir und ich Empfange ohne Handel. Schuldfrei. Jedesmal wenn wir Wut oder Ungerechtgkeit im Tauschgeschäft der Beziehungen spüren, dürfen wir noch ne Runde Mangel heilen. Hosen runter lassen und uns öffnen. Dieser Mangel hat nichts mit der dicke des Bankkontos zu tun – diese Egoverwechselung ist nur ein Ablenkungsmanöver. Im Ende geht es nur ums Hose runter lassen – was das gleiche wie Schutzmauern einreißen ist, damit unser Eierschalen-freies-schutzloses-Dasein, unser Urdasein wie als Säuglings, der aus Dank eine Liebe verschenkt, die uns dahin schmelzen lässt, wieder auferstehen kann. Denn das sind wir im tiefsten Kern alle: Licht und Liebe in Hülle und Fülle. Und in diesem Punkt fällt das Polaritätspaar Geben und Nehmen einfach weg und verwandelt sich in Geben und Empfangen. Bedingungslose Liebe eben. Mehr gibt’s nicht. Mögen wir alle heile sein, in diesem Leben, dafür gehe ich. AHO

Acryl, Bleistift auf Papier, 50 x 60 cm, 2016,

„Keine Ahnung“

Montag, 15. Mai 2017

Erleuchtung heisst heilen, nichts weiter // Tag 5

Tag 5
Über Geben, Empfangen und Nehmen, Teil 2/3

Ich geh jetzt auf die andere Seite, auf die Seite des Gebers. Das Prinzip von Geben und Empfangen ist kein Handel. Geben geht ohne zurück bekommen, Geben ist ein Geschenk. Sonst heißt Geben, Fordern. Also dürfen wir uns überprüfen, ob an unserem Geben nicht die Forderung des Dankes, des „dafür bleibst du aber bei mir“ oder andere verworrene Ideen stecken. Wenn ich ganz ehrlich mit mir bin, habe ich in manchen Beziehungen sogar die Botschaft mitgeschickt: das was ich hier großartiges für dich tue, kannst du niemals ausgleichen - da kannst du tun was du willst - puh, wenn ich diese alte Stimme in mir höre, dann spüre ich richtig Rache, die da raus spricht und frage mich wieso? Spricht da meine alte Wut auf Gott, von dem im Ende alle Geschenke kommen? Ich höre meine Unverzeihlichkeit, eine Stolperfalle, die ich mir selber immer noch stelle. Denn der Schmerz der inneren Kinder heilt nicht durch Rache, sondern indem wir sie halten und trösten – nicht der Täter oder irgendein Ersatz, sondern wir selber. Wir sind die einzigen die unsere innere Kinder erreichen können. Auch wenn wir uns so danach sehnen, dass Mama und Papa oder Ersatzmama und Papa in Form von Partnern und Chefs oder oder das für uns tun. Diese Dimensionsverschiebung funktioniert nicht. Nur wir selber können Innen an unsere inneren Kinder gelangen und ihnen geben, was ihnen fehlt.
 Ja, Geben gleicht sich aus, aber Vorsicht, wenn wir geben UMZU ist es kein Geben. Eventuell empfangen wir aus ganz anderen Quellen als die, in die wir gaben - der Ausgleich des Universum an Fülle passiert nicht im Handelssystem, wie wir es hier auf der Erde erfunden haben. Unser Handelssystem ist vom Ego erfunden, nicht aus der Liebe.

Und noch ein anderer Blick auf Geben, Empfangen und Nehmen: Ich habe viel und oft gegebene, weil ich mich klein gemacht habe. So wie ich bin, fühlte ich mich früher wertlos. Ich hatte das Konstrukt in mir, dass ich mein Dasein kompensieren muss mit viel Leisten, um eine Berechtigung an Aufmerksamkeit zu bekommne. Noch schräger sogar, der Täter meines Kleinkind-Traumas hatte mir gesagt, dass unter meiner hübschen Haut ein Luder versteckt wäre – ich hatte keine Ahnung was das ist, nur das es etwas besonders Böses sein musste. Zwei Folgen verfolgten mich lange: ich traute mich nicht mein wahres ICH zu zeigen – das was unter der hübschen Haut lag – und ich bemühte mich besonders viel Gutes = gesellschaftlich Anerkanntes zu tun, um von dem Bösen abzulenken. Dadurch produzierte ich einen Mangel in mir, weil ich natürlich weder von mir, noch von Außen für mein wahres ICH anerkannt wurde, da ich es ja ablehnte und versteckte. Jeder Lob, jede Anerkennung den wir für unsere Masken, für die kompensierenden Rollen bekommen, perlen an uns ab – das sogenannte Fass ohne Boden – weil wir genau wissen, dass diese füllende Energie nicht uns, sondern der Maske gilt. Sehr fatal, wie die kindlichen Übelebensstrategien Mangel in uns kreieren und sie fortbestehen lässt, solange wir im alten Muster bleiben. Da das Fass nicht voll wird, wir aber Fülle brauchen, entsteht Sucht nach mehr – ein im wahrsten Sinne wahnsinniger Kreislauf, der da angeschmissen wird wenn wir unsere wahres ICH nicht leben. Und wie schnell sagen wir als Erwachsene dumme Sätze zu unseren Kindern ohne die Konsequenzen, auch wenn sie nicht so krass sind, wie bei diesem Beispiel, zu bedenken.
Wir powern uns aus als Gebende im Kompensationsmodus – alle die Burnout haben oder bei sich selber ein Helfersyndrom erahnen, kennen das Spiel gut. Ich habe so viel gegeben, damit andere bemerken, dass es toll ist, mit mir zusammen zu sein, weil sie dadurch viel bekommen - ich spüre, neben der Anstrengung, richtig den Saugnapf in dieser Form des Gebens, die aus dem Mangel des Gebers entsteht. Und was macht das mit unserem Gegenüber, der soviel von uns bekommt und gleichzeitig unseren Saugnapf angelegt bekommt? Ja klar, der wird irgendwann wütend und befreit sich und rennt weg. Kein Wunder. So rum werden wir nicht voll. Bevor wir wahrlich geben, dürfen wir also erstmal in uns die Verwirrungen auflösen und unsere inneren Kinder füllen, empfangen und innerlich wachsen. Wachsen wir in unsere Größe.
In bestimmten Köpfen ist es was Schickes, Understatement, lieber unterschätzt als ein Angeber sein - doch verlassen wir diese Polarität, dann kommt etwas anderes daraus als Übertreiben - die Heilung von sich kleiner machen ist nicht sich größer machen, sondern so sein, wie ich bin - mich in meiner wahren Größe zeigen. Wie oft habe ich mit meinem Mangel in der Tasche vor einem Galeristen gestanden, der meine Arbeit bis dahin nur ohne meine Person kannte und gut fand und dann stand ich da, mit meinem unterwürfigen Bitten, die sofort seine Abwehr hochfahren ließen. Einen Moment lang mag das meinem Gegenüber schmeicheln, wenn ich ihn auf einen Thron setze und verehre, aber unbewusst bekommt mein Gegenüber mit, das ich nicht die bin, für die ich mich ausgeben und ihm den Thron nur schenke, weil ich was will - mir als was klaue, was ich meine, was mir nicht zustehen würde –
Auf die eine oder andere Weise spürt jedes Gegenüber den Schwindel und wenn er noch so unbewusst aufgetischt wird. Und dann wird ihm schwindlig, übel oder er merkts nicht und will einfach nur weg.
Dennoch hier liegt ein Paradoxon, dass wir knacken dürfen: wenn diese Verwirrung des Mangels aus unserem System verschwunden wäre, würden wir das, was wir uns wünschen freiwillig bekommen. Sind wir in unserer wahren Größe, völlig authentisch unser ICH, sind wir nicht nur geschützt ohne Mauern, wir können wir automatisch empfangen und werden beschenkt. Wir spüren den Wunsch richtig in uns - doch mit dem Mangel in der Tasche bringen wir es so schräg rüber, dass unser Gegenüber uns nur ablehnen kann, auch wenn wir es eigentlich verdient hätten. Wie bekommen wir den Mangel raus aus dem System? Gar nicht raus, sondern annehmen. Den Mangel lieben. (Und zwar inklusive dieser Angst, die diese Idee auslöst) Jedes Gefühl fließt ab, während wir es wahrlich fühlen. Solange wir das Gefühl versuchen mit Kompensationen weg zu machen, ihm ausweichen oder es verdrängen, bleibt es da und wir im Mangel. Weder heilt Zeit Wunden noch verschwindet irgendwas über Nacht. Das Paradoxe für unseren Geist ist der Weg: Wenn wir in uns, uns unseren Mangel eingestehen, ihn fühlen mit all seiner Verzweiflung, uns ihm100% hingeben, dann kann er abfließen. Je schlechter wir fühlen können, desto mehr inszeniert das Leben den Alltag so, damit wir es fühlen können. Je besser wir es fühlen können, desto leichter wird der Alltag. Fühlen bedeutet ja sagen, das Gefühl lieben, es annehmen, es da sein lassen, solange es eben braucht. Aber vorsicht, tun wir dies nur damit der Mangel  geht, mit einem UMZU, diesen Trick durchschaut jedes Gefühl in uns, dann ist es nicht wahrlich gefühlt – dann suchen wir nur nach einer neuen Idee zum Ausweichen. Ich hab es schon oft gesagt, ein wahrlich gefühltes Gefühl flutet unseren Körper in 90 Sekunden. Wenn wir den Widerstand, die Angst vor dem Gefühl loslassen und es hindurch darf.
Mögen wir alle unseren Mangel heilen, denn uns gemeinsam gehört die Fülle die Mutter Erde uns schenkt. Den Pflanzen und Tieren und uns Menschen, einer der vielen schönen Tierarten dieses Planeten. AHO

Acryl, Bleistift auf Papier, 50 x 60 cm, 2016,

„Keine Ahnung“

Sonntag, 14. Mai 2017

Erleuchtung heisst heilen, nichts weiter // Tag 4

Tag 4 
Über Geben, Empfangen und Nehmen, Teil 1/3
Meine Freundin Nicole hat mir letzte Woche in drei Sätzen ein Grundprinzip des Ungleichgewichts in Beziehungen erklärt. Wenn ein Partner zB dem anderen sein Studium finanziert, dann bleibt der empfangende Teil etwas schuldig und wenn das nicht ausgleichen kann, dann erträgt er irgendwann seine Schuld nicht mehr und wird wütend auf den, durch den das vermeintlich ausgelöst wurde, den gebenden Partner, und provoziert zB Streit um seine Wut rauslassen zu können, über die er meint seine Schuld loszuwerden. So oder ähnlich laufen unbewußte Beziehungen und ich kenne das nur zu gut. Oder wenn wir einen Klienten behandeln, der aber aus Freundschaftspreisidiologie oder oder nicht zahlen brauch, baut auch dieser seine offene Rechnung in der Projektion um in negative Emotionen gegen den Behandler. Sehr spannend, denn dieser Baustein, der verdrehten Projektion fehlte mir im Bewusstsein und ich bin voll verwickelt in diese Verwirrung. Hier liegt ein unbewusstes uraltes Gefüge verborgen, was der Beleuchtung von mehreren Seiten wert ist. Ich geh mal wieder auf Perlentauchstation im Schattenmeer.
Ein Phänomen dieses Konstruktes ist, dass der empfangende Teil nicht wirklich empfängt, sonst würde keine Schuld entstehen. Ich hab echt Probleme das Wort Schuld zu benutzen, weil da kirchengeschichtlich soviel Gewalt mit betrieben wurde. Ich versuchs dennoch. Wahres Empfangen ist frei. Bedeutet absolut unschuldig offenen Herzens sein, wie ein Kind, wie ein Säugling, der die Liebe, die Fürsorge, die Muttermilch, das im Arm gehalten sein empfängt – frei von Rückzahlung – es ist selbstverständlich das wir all dies empfangen. Jedes empfangen ist selbstverständlich, Wunder und Geschenke sind unser tägliches Dasein – doch wo ist das geblieben? Wir sind gemacht damit wir empfangen. Genauso wie jeder Baum das Wasser empfängt und die Nahrung aus dem Boden – wie jedes Tier all das empfängt, was es braucht. So ist unser Urdasein – wir sind jedes Geschenk wert und auch jedes, was wir uns zutiefst im Herzen wünschen. Woher kommt diese Konditionierung auf „Vorsicht, da schenkt dir einer was – gleich es ja sofort aus, damit du ihm nichts schuldig bleibst.“ ?
Vielleicht ist das Karma der Menschheit da tätig, denn wir Menschen im Unterschied zu allen anderen Lebewesen sammeln, horte und töten nicht nur für den Bedarf des Überlebens. Wir nehmen uns viel mehr als uns zusteht, schon alleine daraus entsteht eine Schuld gegenüber Mutter Erde, gegenüber allen Lebenwesen, die sich in dieser verdrehten Projektion ganz mies auswirkt. Doch abgesehen von dieser globalen Karmageschichte gegenüber Mutter Erde, wovor hat der Empfangende noch Angst, wenn er ein Geschenk voll reinlässt in sein System? Wir werden, wie rohe Eier ohne Schale, absolut offen, berührbar und empfindsam geboren. Es gibt da keinen Gedanken, ob wir dieses Geschenk wert sind oder was wir dafür leisten müssen, wenn wir es bekommen. Wir nehmen als Säuglinge einfach alles auf. In meinem System schreit gerade alles, weil ich schon als Säugling Sachen in mich hinein gespritzt bekam, die mich vergiftet haben. Ich habe Schutzmauern gebildet, hohe Mauern, dicke Mauern. Und damit ich empfange muss ich mich öffnen, die Schutzmauern runter fahren. Für jeden Menschen der mir etwas schenkt, fahren ich mein Schutzsystem runter. Es gibt auch Geschenke, darüber schreibe ich noch, die sind mit Ketten und Fangseilen und Saugnäpfen versehen – vor denen ist der Schutz eine gesunde Wahl. Geh ich da also weiter rein, dann finde ich guten Schutz und Schutz, der aus alter Gewohnheit noch da ist. Wir dürfen lernen diese beiden Sorten Schutz zu differenzieren und unsere gewohnten Abwehrmauer runterfahren, damit wir wieder empfangen können. Sonst bestrafen wir uns selber und wundern uns warum die Wunder ausgerechnet um uns einen Bogen machen und die Geschenke, obwohl wir wissen, dass sie abgeschickt wurden, nicht ankommen in unseren Herzen. Warum wir uns schuldig fühlen den Absendern der Geschenke und nicht genährt von ihnen. 
Mögen wir also alle wieder Empfangen lernen, damit Wunder geschehen können. AHO

Acryl, Bleistift auf Papier, 50 x 60 cm, 2016,

„Keine Ahnung“

Samstag, 13. Mai 2017

Erleuchtung heisst heilen, nichts weiter // Tag 3

Tag 3
Über Trigger, Teil 3/3
 
Wo fängt die Wahrheit an? Wie geht es dir? Gut, ja richtig gut.
Ich war 16 und konnte damals schon abkotzen über diesen netten verlogenen Smalltalk. Ich entschied mich dagegen und seitdem fühle ich jedes Mal nach in mir, wie geht es gerade... und geht es mir scheiße, dann sage ich das. Geht es mir gut, sag ich auch das. Geht es mir viel und unterschiedlich, sag ich das. Ja, ich ernte manchmal: das wollte ich jetzt aber nicht hören – und seit neuestem denke ich, dann fragt nicht. Im Spanischunterricht letzte Woche erhielt ich einen Vortrag über Höflichkeit als ich nachfrug was denn „Mir gehts nicht gut“ heißt – denn diese Variante kam gar nicht vor im Schulbuch. Meine Lehrerin erklärte mir, dass es unhöflich sei jemandem die Wahrheit zu sagen auf die Frage, wies mir geht. Mich macht das tieftraurig.
Vor ein paar Wochen traf ich einen Bekannten wieder, den ich sehr gerne mag. Und er frug tatsächlich „Was macht dein Geschäft?“ als ersten Satz. Während ich ihm wahrheitsgemäß erklärte, spürte ich Wut in mir auf kommen – Wut darüber dass ich mich offenbare und wiedermal auf die Frage herein gefallen war – aber das merkte ich erst später. Ich schaffte es immerhin meine Ausführungen abzubrechen und zu fragen, was denn diese doofe Frage solle, ob er nicht mit mir, nachdem wir uns so lange nicht gesehen haben, über was Besseres reden mag, als über mein Geschäft. Die Bahn kam, er zog eine Fahrkarte und kam wieder, sichtlich angepisst von mir. „Du kennst mich doch. Du weißt, dass mich dein Geschäft überhaupt nicht interessiert.“ Das stimmt, aber muss ich um die Ecke denken und ahnen, was die Menschen wollen wenn sie andere Wort sagen? Zumindest bin ich dafür nicht genug auf Zack – ich glaube, was mir jemand sagt. Und es gibt sogar einen Trotz in mir, der will gar nicht um die Ecke denken und wissen wie jemand was meint. Und ehrlich gesagt hat mich seine Antwort noch tiefer verletzt, warum fragt er überhaupt? Was ist das los zwischen uns? Er ist auch spirituell gebildet und fügte hinzu: „ Ich spiegle dich doch nur. Da stehst du doch drüber, Nina.“ Als ich dann sagte und ich spiegle dich, kam ein toller Satz: „Spiegel gegen Spiegel.“
Ist das nicht der Wahnsinn. Lasst euch diesen Satz bitte auf der Zunge zergehen. Da lernen wir dieses tolle Werkzeug – er ist ein Vywamusschüler, Künstler und hochsensibel im sozialen Bereich – und was tun wir damit? Wir wenden es wieder gegeneinander ein. Waffe gegen Waffe, Schmerz gegen Schmerz, Leid gegen Leid. Das alte Racheprogramm heißt bei uns Spirituellen dann Spiegel gegen Spiegel. Ich hab mit dir nichts zu tun, alles dein Problem, heißt das.
Zu Hause schossen mir an jenem Tag die Tränen in die Augen und das war das ungeliebte Mädchen, was gerne von diesem Mann freundschaftlich gemocht worden wäre. Wollte er nur höflich sein und ich öffne mein Herz und bin damit unhöflich? Überfordere die Menschen? Das denke ich nämlich über mich und spüre nach und finde sofort den Anteil in mir, der so gerne als Kind gesagt hätte, wie´s ihm wirklich geht und da war niemand, der es hätte hören wollen oder können.
Ich stehe auch ratlos da – denn ich möchte auch nicht von jedem wissen, was gerade bei ihm los ist. Ich möchte dann nicht mehr fragen. Auf der anderen Seite liebe ich diese kleinen Begegnungen und ohne jetzt eine ganze Geschichte erzählt zu bekommen, kann ich spüren, wo jemand steht und ihm ne Portion Liebe schenken oder ein Lächeln oder ein ihm wirklich sehen. Ich höre mal wieder What a Wonderful World von Louis Armstrong und der sagt: I see friends shaking hands saying how do you do. They're really saying I love you.
Spiegelt mir mein Bekannter meine eigene Abweisung Menschen gegenüber? Ja klar. Meine Unsicherheit und mein Desinteresse. Und habe ich vielleicht mit 16 eine der Pubertät entsprechende Entscheidung getroffen, deren Trotz ich jetzt mit fast 50 wieder rausnehmen könnte, oder? Ja. Wenn ich jedes Mal mein Herz öffnen könnte, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht und spüren würden, dass er mir gerade sagt, dass er mich liebt – dann könnte ich die Welt und die Menschen anders ansehen. Nichts anderes wollte meine Entscheidung mit 16 – mein Gegenüber achten und mit Wahrheit den Weg der Liebe pflastern.
Ich darf um die Ecke hören lernen? Ja bitte – aber ich bin so naiv, dass mir das oft nicht sofort einfällt – nein, noch anders: wir alle könnten unserer Wahrnehmung wieder trauen und nicht den Worten, die ausgesprochen werden. Das macht Sinn.
Und ich bin es die meinen inneren Anteil endlich hören darf. Dann kann ich auch die Erwartung ans Außen lassen und einem Bekannten gegenüber treten ohne das er mein inneres Kind retten soll bei der Frage nach dem wies mir geht. HEyhey, ich schick dir die Liebe hinterher, die ich vor lauter Erwartungen dir nicht schenkte, liebster Bekannter! AHO
Und heyhey, meine Kleine, die du die ganze Kindheit nicht sagen durftest wies dir geht, ich höre dir jetzt zu. Ich bin da und ich interessiere mich für dich. Und ich weine auch mit dir, ich kann dich spüren, in dieser unendlichen Einsamkeit aus der auch kein ernst gemeinte Frage nach mir heute dich rettet. Ich heute bin die einzige, die dich von damals retten kann. Heyhey, mein kleines Mädchen, ich bin da. Wie geht es dir, mein liebes Mädchen. Ich liebe dich. AHO
Und es geht noch weiter, hier liegt noch mehr Wahrheit. Die Pubertierende wußte es nicht besser sich zu retten als endlich die Lüge, es ginge ihr gut, mit es geht ihr schlecht zu ersetzen. Ein der Entlastung dienender Überlebensweg. Und was tut man, wenn man spürt, es geht einem richtig Scheiße, aber der Grund ist so tief verdrängt, dass man ihn selber nicht greift? Wir übertragen also innerlich die alltäglichen Probleme und hängen sie an die alte Wunde - die Wunde triggert und wir hängen innerlich unsere Alltag daran. (Wie beim Trigger, Tag 1 erklärt, hängen wir innerlich an den Haken des Alltag den ganzen Mantel auf und daraus entsteht eine Schieflage in uns.) Natürlich, wenn wir das dann einem erzählen, kapiert mein Gegenüber nicht, warum mich dies so schlecht fühlen lässt. Ich weiß auch noch, dass ich früher oft und viel übertrieben habe - damit die Alltagsprobleme sich anpassen an das schlimme Gefühl in mir - Dramaqueen - und ich habe es gehasst wenn mich jemand so nannte. Weil darin ein nicht ernst nhemen liegt und das Gefühl war echt - ich wußte nur nicht wie dran kommen. Hinter jeder Dramaqueen steht ein unaufgedecktes, unbewußt um Hilfe schreiendes Trauma, dem Ausdruck verliehen wird. Das innere Kind, was da um Hilfe ruft, ist tief verborgen und der Mensch selber hat im Bewußtsein keine Ahnung von den Kräften, die da in ihm schreien - das läuft alles völlig unterbewußt ab. Doch diesen Spagat, den bemerkt jeder und das der oder die Dramaqueen nicht dran ist an ihrem wirklichen Thema, spüren wir als genervt sein und wollen uns am liebsten abwenden. Wir sehen von Außen, dass da jemand Extrarunden dreht ohne sein inneres Kind zu hören - und das Dilemma ist, dass genau an der Tür, hinter dem das traumatisierte Kind versteckt ist, ein blinder Felck liegt und die Person selber spürt dies noch weniger als wir hier draußen. Die Person spürt nur die Ablehnung der Menschen gegen das Drama - und ja, sie spiegelt die eigene Ablehnung des inneren Kindes (was sooft gehört hat, stell dich nicht so an, oder oder). Ich erinnere mich gut, wieiviele Menschen sich früher abwandten von mir. Die verwirrungstiftenden Notfallrufe eines sich unbewußt vom Trauma abwendendem Überlebenden können einen zutiefst beängstigen. Sie zeigen uns die Hilflosigkeit anderen gegenüber auf, denn jeder würde gerne helfen, aber keiner kann die inneren Kinder eines Gegenübers retten. Wir können das Feld halten mit stoischer Liebe, damit irgendwann jede Dramaqueen ihre Gefängnistüren der eigene inneren Kinder wiederfindet. Gesegnet sei dieser Tag. Und wir können in uns erkennen, dass jeder das Prinzip der Dramaqueen lebt - jedes Mal wenn auf einen Trigger reagieren - ob im Kleinen oder im Großen und uns nicht unseren inneren Kindern widmen sondern auf die angebotene Bühne des Triggerers springen. Ein Stück unseres Lebens ist Drama, deswegen lieben wir Filme und jeder 3 Akter, jedes innere Drama bringt uns Stück für Stück, Schicht für Schicht wieder dichter an unsere inneren Kinder. In ihnen liegt Heilung, das Licht und die Liebe.  AHO

Acryl, Bleistift auf Papier, 50 x 60 cm, 2016,

„Keine Ahnung“

Freitag, 12. Mai 2017

Erleuchtung heisst heilen, nichts weiter // Tag 2


Tag 2
Über Trigger - Teil 2/3
 
Wenden wir das Ganze – wenn wir jetzt diejenigen sind, die bei einem anderen einen Schmerz auslösen und derjenige flippt total aus – wie oft haben wir uns schon ungerecht behandelt gefühlt an dieser Stelle – wir wollten doch gar kein Täter für Schmerz sein. Er/sie hat uns missverstanden. Seine/ihre Reaktion fühlt sich völlig übertrieben gegenüber unserer Tat/Satz/Wort an. Wer kennt das nicht? Mit Recht, denn die Wunde unseres Gegenübers ist alt und wir wolten ihm/ihr nicht weh tun, haben ihm/ihr nur einen kleinen Haken angeboten und er/sie hat gleichmal seinen/ihren ganzen Mantel daran gehängt. Oder noch eine Ecke tiefer in unserer Gefühlswelt drinnen: haben wir uns für tausend Wunden der anderen Menschen schuldig gefühlt und die Verantwortung für etwas übernommen, was gar nicht unseres war. Sich schuldig fühlen heißt Täter sein, etwas getan haben. Ein weitverbreitete zutiefst stigmatisierte Rolle. Niemand ist gerne Täter und alle vermeiden diese Rolle und alle sind es an der ein oder anderen Stelle, mehr oder weniger. Aus diesem Gefühl heraus haben wir uns bemüht uns anders zu verhalten, die Wunden unseres Gegenübers zu vermeiden, ihn nur noch mit Glasséhandschuhen angefasst und sind Bögen gelaufen, damit wir in kein Fettnäpfchen reintreten. Und dennoch triggern wir immer wieder Menschen an, einfach durch unser Dasein. Als Kinder haben wir uns für alles die Schuld gegeben und diese Gewohnheit haben wir immer noch am Hacken. Machen wir uns jetzt bewusst, wie sich angetriggert sein von der einen Seiten anfühlt, siehe Text von gestern
(http://schamanin.ninaschmitz.de/2017/05/erleuchtung-heisst-heilen-nichts-weiter.html
und setzen wir nun die zwei Seite zusammen. Dann begreifen wir unser Scheibendasein. So sieht Polarität aus. Zwei Seiten, die sich bedingen. Wir kennen beide Seiten oder können sie zumindest nachvollziehen. Wir wissen wie man sich als Opfer fühlt und das man sich als Täter auch als Opfer fühlt – wow, ich weiß, dieser Satz geht tief, (mir wird immer noch übel, wenn ich das denke und gleichzeitig meinen Täter vor Augen habe - dann schreit alles, nein, das gilt überall nur nicht bei mir...) denn es gibt einen Teil, der die Täterschaft aushebelt und gleichzeitig, wenn nämlich Bewusstheit in die Täterschaft kommt, ist an der gleichen Stelle die Tür für Eigenverantwortung – und die wiederum bringt die Möglichkeit der Veränderung mit sich. Ich habe die Möglichkeit auszusteigen aus diesem Konstrukt von Opfer und Täter, aus dieser sich immer wieder bedingenden Polarität. Neu entscheiden. Solange wir auf der Scheibenebene bleiben gibt es wie kein Entkommen. Es gibt nur diese zwei Sichtweisen, nur Polarität. Wir brauchen neue Perspektiven, eine weitere Dimension, wenn wir daraus wollen aus dem Hamsterrad der Scheibe.
Vor zwei Jahren hatte ich eine Aufstellung die das Thema Opfer Täterschaft tief beleuchtet hat und meine Sicht auf mein Dasein nachhaltig veränderte. In meinem 60-Tage Retreat des Schmetterlingsprozesses ist diese Aufstellung nachlesbar:

In der Annahme unseres eigenen Täters liegt soviel Heilung. Wenn die Menschheit das ahnen würde, würden sie aufhören Täter zu verurteilen und ihre Taten ändern. Denn gelebtes Spiegelbewußtsein, der Austritt aus der Polarität bringt uns erst in die bedingungslose Liebe. Und NEIN, damit meine ich KEINEN Freifahrtschein für sexuellen Missbrauch oder Vergewaltigung oder Übergriffen jeglicher Art. Für Gewalt oder Krieg oder oder. Ganz bestimmt nicht.
Jeder Täter trägt sein Karma - das ist die eine Seite – wohin ich will ist vor die Täterschaft eines Täters – ich will sie verhindern bevor sie passiert. Wie beschützen wir denn unsere Kinder vor sexuellem Missbrauch? In dem wir hinsehen, was los ist mit der Sexualität in unserer Familie, mit meiner Sexualität, mit den Machtverhältnissen, mit meiner Macht und Ohnmacht, mit dem Mangel, dem Unglück, mit dem Opfersein jedes Einzelnen und anstatt verurteilen, teilen wir dies miteinander, helfen uns, lernen wieder jeder sein eigener Heiler sein, erden uns und gehen den Weg den unsere Seele für uns vorgesehen hat – und keine Seele will das jemand Vergewaltigt wird, dass überhaupt Gewalt angewendet wird. Wir beschützen unsere Kinder, indem wir bei uns im Kleinen hinsehen, bei uns selber als erstes, vorangehen und zeigen wie es geht. Denn wir alle lernen durch nachmachen, also muss es Vormacher geben. Und wer, wenn nicht du, sollte das wohl sein. Werden wir eine Generation der Vormacher. Die das Vormachen, wir wir uns wünschen, dass wir als Kinder geliebt worden wären. AHO

Acryl, Bleistift auf Papier, 50 x 60 cm, 2016,

„Keine Ahnung“