Samstag, 4. Februar 2017

Genauso bin ich.

Ich weiß noch nicht wie ich an das nächste hochkommende Thema gehe, ich spüre es schon in mir hochsteigen und gleichzeitig flutscht es mir auch ganz schnell wieder weg.
Es gibt Nachtraumatisierungssituationen die sind ganz profan. Ich sitze in einem Amt und will einen Personalausweis beantragen. Mir sitzt ein Mann gegenüber, der sehr dominant etwas fordert und wupps bin ich wie ein kleines Baby, naiv, kann nichts mehr sagen. Ich agiere dann wie ein dummes kleines Mädchen. Ihr würdet mich nicht wiedererkennen. Ich werd dann wütend über mich und meine Unbeholfenheit. Ich kenne mich doch auch anders. Ich weiß, dass ich stark bin und stehen kann und mich wehren kann. Aber dieses kleine Mädchen kann sich nicht wehren. Sie ist wieder zwei Jahre, steht in ihrem Gitterbett, hat sich für ein erstes Nein entschlossen, presst den Mund zusammen und will ihn nicht mehr reinlassen und dann reißt er mich aus dem Bett und verprügelt mich. Das war die erste Lektion zum Thema, ich sage: Hier ist meine Grenze und du darfst hier nicht rein. Für mein Nein, wurde ich so krass bestraft, dass ich jedes Mal, wenn ein mir vermeintlich höher gestellter Mann etwas fordert, in das kleine Mädchen falle und völlig belämmert reagiere. Es passiert in den profansten Situationen. Ein Bankbeamter, Arzt, Behördenangestellter, früher Lehrer, später Professor, Galeristen, Ausbilder, es gibt sogar Frauen bei denen mir das so geht, wenn sie dominant genug sind, aber auch wenn mir ein Mann begegnet, der mir gefällt – wupps, bin ich ein brabbelndes kleines Mädchen. In Liebesbeziehungen war meine Strategie mir immer Männer, die kleine Jungs sind auszusuchen, so dass sie niemals über oder mir gegenüber standen, sondern unter mir. Dann war ich sicher – das barg natürlich ganz andere Probleme auf Dauer und ist immer zum Scheitern verurteilt.
Ich kenn das Spiel schon, was dann abgeht. Letzte Woche hab ich mich darin wieder erleben dürfen. Ich spüre den Grenzüberschritt nicht, nur das ich wuschig werde und nichts mehr kapiere. Ich spüre auch nicht meine Wut auf mich. Es passiert, was immer passiert in solchen Momenten. Der Therapeut redet in seinen Therapiesitzungen vom Übertrag, den ich da mache auf ihn und bei ihm vom Gegenübertrag, den er dann spürt. Für einen Therapeuten ein sehr hilfreiches Erkennungssystem um die unterbewusste alte Situation seines Klienten emotional zu erfassen. Nur ein Behördenbeamter rafft nicht, dass er gerade mitten in einer Nachtraumatisierung seines Gegenüber sitzt (Übertrag), er rafft auch nicht, warum er gerade wütend auf mich wird (Gegenübertrag) und sucht bei mir nach einem Grund für seine Wut. Sieht sich einer Frau gegenüber die sich klein macht und duckt, in Totenstarre fällt, anstatt Eigenverantwortlich zu sein – eine Drückebergerin vielleicht, eine die im Opfer fest sitzt, der müssen wir jetzt mal richtig Druck machen. Und wupps eskaliert die Situation. Es gibt einen pubertierenden Anteil in mir, der dann Lösungsstrategien rausknallt. Im wahrsten Sinne des Wortes knalle ich dann Türen und renne mich schützend weg, wütend heulend und mich ganz ungerecht behandelt fühlend. Absolut unangebracht für eine Frau? Genauso stand ich letzte Woche in einer Behörde und hab mich echt in Schwierigkeiten gebracht. Und ich kann es alles so verstehen, was da passiert in mir und gleichzeitig wünsche ich mir so sehr mich in genau diesen Situationen endlich spüren zu können. Ich höre dann die guten Ratgeber neben mir, es muss doch mal gut sein mit deinem Trauma. Eine ruhige klare Ansage machen, dass solltest du lernen. Jetzt reiß dich doch mal zusammen. Irgendwann sollte doch auch mal gut. - Was ich alles sollte.... Ja, wisst ihr denn nicht, dass es keinen größeren Wunsch gibt, den ein traumatisierter Mensch sich wünscht??? Glaubt ihr allen ernstes es würde Spaß machen so rumzulaufen. Ich hab das dauernd. Hab noch nie eine Liebesbeziehung auf Augenhöhe leben können deswegen. Ich hab es nie geschafft einen guten Galeristen von mir zu überzeugen, weil ich da jedes Mal stand wie eine super dämliche Opferfrau und kein Wort raus bekommt. Oder Geldgeber für Filmprojekte oder oder  Ich hab mir damit so mega viele Chancen versaut, mein ganzes Leben lang. Und um das Auszugleichen hab ich geackert wie eine blöde. Deswegen schreibe ich auch so gerne, weil hier vor dem Computer bin ich sicher vor diesem Antrigger eines scheinbaren Übermachtmannes, wie es mein Stiefopa war. Hier kann ich zeigen, wie ich wirklich bin.
Ich habe schon so viele Aufstellungen gemacht mit meinem Täter und innere Reisen in denen ich ihn konfrontiert habe. Habe Schaumstoffblöcke mit Tennisschlägern malträtiert mit meiner Therapeutin. Verhaltenstherapeutisch, schamanisch, konfrontativ, Improtheatermäßig. Eines habe ich noch nie probiert und das tue ich hier und jetzt: mich so nehmen, wie ich bin.
Mein kleines Mädchen darf jetzt so lange so bleiben wie sie will. Ich werde keine Bemühungen mehr machen, sie zu verändern. Kein soll und erziehen mehr. Es dauert eben so lange, wie es dauert. Und vielleicht sind noch mehrere Inkarnationen nötig. Letzte Woche habe ich sie gespürt während es passierte und hab draußen im Flur der Behörde gesessen und Rotz und Wasser mit ihr geweint. Obwohl die vorbei gehenden Menschen blöde Kommentare machten wie Geht’s noch, können sie sich nicht zusammen reißen. Ich hab so gut es ging eine Schutzmauer um uns gebaut in dem Moment und sie innerlich auf dem Arm gehabt und getröstet. Es hat sie/mich so geschüttelt. Ich werd bald 50 und erkenne immer mehr, es ist eine lebenslänglich mit dem ich zurecht kommen muss. Und es bedarf eines Ja, es darf so sein. Ich mag den Druck und den Anspruch rausnehmen., dass ich normal, gesund oder geheilt werde. Ich mag mich genauso annehmen, wie ich jetzt bin. Egal ob es sich jemals ändern wird. Sondern so wie ich jetzt bin, darf es bleiben. Ich glaub, dass ist die schwerste Lektion, die ich je hatte. Deswegen weiß ich auch, dass es der richtige Weg ist. Mein Ego schreit, dass wäre eine Kapitulation. Tu diesen großen Fehler nicht, kämpfe. Doch ich kämpfe gegen mich, gegen mein inneres verletztes Kind. Damit ist jetzt schluß. Und ich spüre schon die Folgen: Aller Widerstand gegen das was IST fällt ganz langsam von mir ab, wie ein schwere, schwere Last. Ich bin genauso und es ist an der Zeit, dass ich das zeige, auch hier zeige. Dieses coole, immer positiv denkende FB ist ein schöner Parameter für diese Heilarbeit. Ich bin weder eine taffe Frau, noch schaffe ich es mich gesellschaftlich adäquat zu verhalten. Ich bewahre auch keine Contenance. Ich falle auf. Ich weine und ich knalle Türen. So bin ich. AHO



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