Donnerstag, 14. Mai 2015

Schmetterlingsprozess - Tag 59/60


14. Mai 2015 Für meine Töchter.
Ich habe ein Tuch aus Thailand, wunderschöne weiße Seide, die ich mir mit 20 mitbrachte für mein Hochzeitskleid. Als ich heiratete hatte ich diesen Stoff völlig vergessen. Er wartet immer noch. Nach sieben Jahren Ehe, sind nun wieder sieben Jahre vergangen. Dieses Tuch liegt hier und all meine Heilkarten, die ich in den letzten Jahren gemalt habe liegen darauf. Guter Ort für Heilkarten.
Ich habe gespielt in den letzten Jahren, gemalt und geschrieben, in meinen Gefühlen gebadet. Sie durch mich hindurch fließen lassen und mich von ihnen durchdringen lassen. Das war alles andere als schmerzfrei. Ich habe meine Kindheitsschmerzen erlöst in mir, Schmerzen aus vorherigen Leben und Schmerzen, dien unser gesamtes weltweites System behaften. Ich habe mich in diesen Jahren darin fit gemacht, als Kriegerin ins Feuer zu gehen, abzubrennen und gereinigt, neu wieder aufzuerstehen. Ich bin eine Feuertänzerin geworden. Ich bin froh über diese Erfahrungen, denn sie haben mir die Angst vor den modrigsten, schlimmsten Kellern unseres menschlichen Daseins genommen. Ich habe keine Angst mehr davor Mördern  oder Vergewaltigern in die Augen zu sehen, ich habe keine Angst mehr vor meine eigenen schlimmsten Abgründen. Die Schattenreisen haben mich vor allem gelehrt, dass hinter dem schlimmsten Mörderdrache der Wunsch nach Transformation steht und wie in Lukas und Jim Knopfs Geschichte wandelt sich der Drache in den weißen Drachen der Weisheit. Das ist kein Märchen, sondern eine Analogie über unserer tiefsten Wunden. Ziehen wir die Dornen aus den Wunden, wie Jim und Lukas dem Drachen den faulen Zahn zogen, dann transformieren sich unsere Wunden in heilige Weisheit. Ich will sagen: es lohnt sich, es lohnt sich so so sehr seine eigenen Wunden zu heilen, auch wenn es kurz weh tut einen Splitter zu ziehen – aber es lohnt sich, wir wissen das alle, dass man Splitter raus machen muss, weils ansonsten ewig weiter eitert.
Haben wir das überstanden, erhalten wir einen Lohn, ein Geschenk, dass in keinem Vergleich zu den Mühen/Schmerzen steht. Die Weisheit der Drachen, die Weisheit der Heilung, der weiblichen Urkraft – nennen wir sie wie wir wollen, sie schenkt mir einen Boden, sie schenkt mir Mut, sie schenkt mir Leichtigkeit und Spaß. Jeder Schritt für die eigene Heilung lohnt sich. Und das nicht nur für mich, nicht nur weil ich dann besser leben kann, sondern weil wir Heilung in ein ganzes Ahnensystem bringen. Weil wir unseren Kindern ersparen, dass sie Altlasten tragen. Weil wir sieben Generationen vor und zurück Erlösung schenken. Das ist tiefe Gnade, wenn sich diese Erlösung als Ergebnis im Außen zeigt!!!
Vor 59 Tagen habe ich beschlossen noch einmal richtig tief in meine Transformation einzusteigen. Der Schmetterlingsprozess. Ich bat das Universum mich zu Transformieren, alles abzubrennen, was oll und vergammelt ist und mich zu trainieren in dem was ich neu lernen muss. 60 Tage hab ich gesagt und dann will ich ganz sein, stehen, da sein. Glücklich, leicht und fliegend. Und das Universum hat geantwortet. Jeden Tag. Ich habe gebrannt, bin zerflossen, habe meine Scham gefühlt und mich hier absolut offen und authentisch gezeigt. Ich habe geliebt, gelacht und mit jedem Schritt meine Freiheit mehr gefühlt. Das hier ist eine Befreiungsgeschichte. Und nicht nur, weil meine Kindheitsgeschichte krass ist – jedes 3. Mädchen wird sexuelle missbraucht und jeder 5. Junge, zählt man die Täter hinzu, betrifft das mehr als die Hälfte unserer Gesellschaft. Wir können fast sicher sein, dass es mit der Kriegszeit fast jede Familie getroffen hat. Wir haben mit diesem Thema alle zu tun. Dennoch, letztendlich ist es egal, wie krass oder eklig unsere Geschichten und die unserer Ahnen sind, die wir in uns tragen. Egal ob nichts los war oder alles – es geht immer darum, wonach rufen unsere Imagozellen, unsere Träume unsere Visionen und schaffen wir es das zu leben. Deswegen sind wir hier, damit wir unsere größten Träume leben. Wir schulden unseren Träumen unser Leben. Das ist unsere Motivation, unsere Energie. Und egal was uns im Weg steht, es geht darum die Herausforderungen zu überwinden. Meine Geschichte ist eine Befreiungsgeschichte. Und das ist die Aufgabe jedes Menschen hier, sich zu befreien. Mehr und mehr. Ich kann wieder atmen. Es hat mich zwanzig Jahre Anlauf gekostet und ich musste wirklich sehr sehr mutig sein aus meinem System auszusteigen und gegen all die Gegenwehr meiner Ursprungsfamilie dennoch für mich zu gehen. Ich wusste, was ich aufs Spiel setzen würde und ich wusste, dass sie alle Möglichkeiten ausschöpfen würden, damit ich nicht diese alten und uralten Geheimnisse unserer Familie aufdecke. Sooft man auch davon gelesen hat, wie sich die Tabuisierung in Missbrauchsfamilien auswirkt auf die Betroffenen – auf alle, auch auf die Verdränger – die erlebte Realität ist dann schon echt Aua. Eine tiefe Chance bedingungslose Liebe, Vergebung und Gnade in sich zu lernen. Sie als Spiegel nutzend, die eigenen abgespaltenen Anteile wieder reinholen und sich innerlich vermählen. Hingabe an die heilen Anteile der Menschen. Immer wieder den Fokus auf das Heile, Wahre – auf die ewige Liebe. Das lehrt Vergebung, das baut den Boden für tiefe Verbindlichkeit. Das macht weich und weit. Und standfest!!! Nichts wird mich trennen, weil ich der Illusion nicht mehr glaube. Ich hör nicht mehr auf die Worte, sondern auf die Energie dahinter. Auf den Hilferuf, der in jedem Angriff steckt. Ich weiß zu viel über Liebe in mir/ in uns allen und zuviel über Muster, Schattenreaktionen und Egowiderstände als das ich weiter auf die Worte oder Taten höre, die mir jemand schickt, zeigt. Ich seh die Anteile dahinter, die inneren Kinder, die Angst, meist den Widerstand gegen die eigenen Heilung. Aber zu welchen Umwegen (diese Formulierung ist schon eine unachtsame Bewertung) sich Menschen auch entscheiden, vielleicht ist es für ihre Konstellation gar die Abkürzung. Ich lass sie ihren Weg gehen. Ich geh meinen Weg und ich liebe stoisch weiter. Auch diese Menschen, einfach weil mir lieben gut tut und Freude bereitet. Wer an meiner Seite bleibt kann davon partizipieren, wer geht ist auch gut. Jeder braucht andere Wege und hat andere Aufgaben. Auch ich mag nicht jeden an meiner Seite. 
Ich wollte stehen, ich wollte unbedingt stehen auf meinen eigenen Beinen. Und dieser Wille, diese tägliche Formulierung meiner Absicht, meiner Ausrichtung hat mich den Boden finden lassen. Jeder Schritt hat sich gelohnt. Auch wenn es erst bedeutete, dass ich ins dunkle Ungewissen springe, in die Einsamkeit. Aber ich hatte eines immer vor Augen: meine Kinder. Ich habe dies alles für meine Kinder getan und an ihnen sehe ich, dass es funktioniert hat. Ich habe zwei starke Töchter. Sie sind Liebesfähig, weich, verbindlich. Sie leben ihren Willen, gehen mutig ihren Weg, sie stellen sich ihren Feuern, Prozessen und Aufgaben und ihr Leben ist voller Fülle und Freude. Ich sehe es ihnen an, sie sind befreit und gehen voran. Und wenn eine Herausforderung kommt, dann stellen sie sich. Fühlen, weinen, gehen in sich, sehen klar was Sache ist und handeln. Sie tanzen und haben Spaß, genießen ihr Leben und dabei sind sie gleichzeitig tiefe, mitfühlende Menschen geworden. Fein und stark. Wenn ich die Befreiung im Anblick meiner Kinder sehe, dann weiß ich, dass sich jeder Schritt gelohnt hat, den ich gegangen bin. AHO. 


Kondor aus der Serie "Phönixprozess"
Brenne, Heilung, brenne. September 2014
Papier, 40 x 54 cm, Gold, Acryl, Tusche
 

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