Donnerstag, 25. Mai 2017

Erleuchtung heißt heilen, nichts weiter // Tag 10

Heute ist Vatertag. Für viele Menschen kein leichter Tag. Den guten Anteil im eigenen Vater ehren fällt vielen Überlebenden sehr schwer. Wenn der Vater seine Sexualität mit seinen Töchtern lebt, seine Söhne vergewaltigt oder wenn die Sexualität ausgelagert wird in die Pornoindustrie, dann ist Not in der Familie, in der ganzen Gesellschaft. Dann ist die natürliche Ordnung verdreht. Auch wenn die Mutter Hand an ihre Söhne legt. Die Zahlen zeigen jedes 3. Mädchen und auch jeden 5. Jungen als Opfer sexueller Gewalt und nicht alle Täter sind Männer. Es betrifft die hälfte der Gesellschaft, wenn wir die Täter mitzählen, kein unrelevantes Thema.

Ob die Väter Täter waren oder nicht beschützten, nicht da waren – die Vaterrolle ist lange, lange Zeit in unserer Gesellschaft seltsam verknüpft. Väter müssen das Geld ranschaffen und gleichzeitig der Fels in der Brandung sein aber weil die Mutterrolle so rein und fürsorglich konnotiert ist, fällt der Sex weg. In der klassischen Familienaufstellung wird dann sehr deutlich, dass da eine Leerstelle neben dem Vater ist, die sich neu füllt. Was dann passiert, tut einfach nur noch weh, ich habe es durch meinen Stiefopa erlebt.
Ich möchte ein christliches Thema ansprechen, was ich in meinen Aufstellungen gerne umstelle: Die Rolle Josefs in der Geschichte, der Vater. Wir haben einen Fehler gemacht im Lesen dieser Geschichte, finde ich. Sie steckt voller Parabeln, doch wir haben sie wörtlich genommen. Nehmen wir sie wirklich wörtlich und analysieren die Rollen mal familienaufstellungstechnisch, entfaltet sich ein verwirrtes Bild, was aufgeräumt werden möchte.
Vier Archetypen haben finden wir in der ursprünglichen Geschichte: Mutter Maria, Vater Josef, das Kind Jesus, der später als er selber Erwachsen wird seine Frau Maria Magdalena an seiner Seite. In der Geschichte wird der Göttlichkeit, dem großem Vater, eine fünfte Rolle zugewiesen, was für viel Missverständnis sorgt.
Wenn Maria eine unbefleckte Empfängnis vom Vater bekommt, also Sex mit dem großem Vater hatte, dann läuft in dieser Geschichte was falsch. Mal abgesehen von dem Missbrauchsthema, was Mutter Maria da mit ihrem Vater hatte, auch diese auserwählte Göttlichkeit des einen Menschen – nur der eine bekommt was von der Göttlichkeit ab, wir andern sind „nur“ irdisch gezeugt - das hat nur einen Nutzen, die Manifestierung des Patraichats: es gibt einen Bestimmer, einen Monarchen, einen Auserwählten – so stellt sich die Kirche zumindest im Laufe der Geschichte dar. Machtmissbrauch wo wir hinschauen in Historie der Kirche. Und Mutter Maria, wie geht es ihr damit, dass sie von ihrem Vater misshandelt wurde und sein Kind austrug??? Hatte sie deswegen keinen Sex mit ihrem Mann? Vielleicht machte sie gerade die tiefen Prozesse, die eine Aufarbeitung eines Missbrauchs mit sich bringen, zu der tiefen, wundervollen Frau mit dieser alles umspannenden Mütterlichkeit – aber vielleicht hatte sie auch einfach Sex mit Josef und der wurde verschwiegen???
Und Jesus. Hat er sich als Auserwählten gesehen? Jesus war ein Held, ein Vorrausgeher, aber er hat sich auf Augenhöhe gesehen, was er geliebt hat und immer wieder dargestellt wird in der Geschichte. Jesus hätte seine Geschichte ganz anders geschrieben, als das was da heute steht, das ist sicher! Das Bild, Jesus als etwas Besonderes hinzustellen, richtet mehr Schaden als Nutzen an. Wir bemühen uns alle heute darum, endlich Augenhöhe in Beziehung zu bekommen und reden davon, dass wir alle einen göttlichen Funken in uns tragen. Diese alte, immer noch einflussreiche Geschichte, hilft uns dabei nicht. Jesus hat also vom Göttlichen genau das bekommen, was wir alle haben und unsere Mütter brauchten dafür keinen Verzicht auf Sex mit ihren Männern..
Vielleicht liegt das Problem auch in dem Begriff „Geschichte“, der wird für ausgedachte Märchen, für fiktive Vergleiche wie Parabeln genauso genutzt wie für die Wahrheit, die Historie. Und selbst die Wahrheit – wir kennen alle die Geschichte von Buddha über die sechs Blinden, die einen Elefanten beschreiben. Für den einen ist der Elefant ein Pinsel, weil er den Schwanz in der Hand hält und für den anderen ein schwerer Tontopf weil er den Fuß beschreibt – selbst die Wahrheit ist immer in Frage zu stellen.
Aber zurück zum Vatertag, der Ehrung des irdischen Vaters: Dem eigentlichen Vater, Josef, wird in dieser Geschichte seine Vaterschaft abgesprochen. In dieser Geschichte steht Josef keine sexuelle Verbindung zu. Er darf beschützen, ernähren, arbeiten, aber seine Frau soll er unbefleckt lassen, also keinen Sex. Was macht Josef dann???? Ja, da gibt es ja noch die ohnehin als Hure deklarierte Maria Magdalena. Die Tochtergeneration. Hier beginnt ein Teil der Verwirrung und im dunkel liegender Geschichte. Als ich klein war habe ich Mutter Maria und Jesus für ein Paar gehalten, weil sie auf den Abbildungen im gleichen Alter dargestellt werden. In der Geschichte gibt es zwei Paare, die aber nicht zusammen gehören. Vater und Tochter. Sohn und Mutter.
Ich räume in meinen Aufstellungen gerne an dieser Stelle auf: ich gebe Josef seine Frau wieder an die Seite und ihm den Dank für den Samen. Dank für seinen leiblichen Sohn Jesus. Ich gebe ihm auch seinen Sohn wieder. Und auch die Mutter darf in der neuen Geschichte wieder Sex haben und zwar mit ihrem Mann Josef. Die unbefleckte Empfängnis ist in meinen Augen eine Idee, die jahrtausendelang katastrophale Folgen in unser Dasein geschlagen hat. Geschichten drücken aus, was da ist in einer Gesellschaft – also hat es schon vor 2000 Jahren eine große Verwirrung über die Mutterrolle und Vaterrolle gegeben, an der wir bis heute tragen. Die Vaterrolle ist ein anderer Archetyp als der Sohn. Auch die Sexualität ist anders. Ich merke immer Jesus und Maria Magdalena können leicht als Paar wieder zusammen gefügt werden, doch Josef und Mutter Maria sexuell wieder zusammen zu führen ist ein fast unvorstellbarer Schritt. Vater und Mutter dürfen keinen Sex haben. Ich hol an der Stelle die alten Wikinger ins Spiel. Kein gestandener Wikinger hört nach dem ersten Kind auf mit seiner Frau zu schlafen. Da bleibt eine erdige, sehr verwurzelte Sexualität, die gelebt wird, bis ins hohe Alter. Selbst wenn wir uns diese Idee nur bei Asterix und Obelix abholen, doch in dem Dorf gehen die Väter mit ihren Frauen zurück in die Hütte. Auch die Alten noch.
Ich will sagen, wir dürfen aufräumen in uns und die Rollen neu besetzen. Die Sexualität wieder entwirren, so dass Vater und Mutter und der Sohn und seine Frau wieder Sex haben, wieder in intime tiefe Verbindung miteinander gehen. Mutter und Vater dürfen Sex haben, unbedingt! Dazu gehört auch dass wir Maria Magdalena ihren Ehrenplatz Jesus gegenüber wiedergeben. Es ist geschichtlich schon lange bewiesen, dass sie Apostolin Nr.1 war, seine engste Vertraute. Das mit der Hure ist eine Erfindung um von ihrem wahren Wert/Platz, als Frau abzulenken. Sie war mit Sicherheit eine sehr karismatische Frau und das wird auch Jesus gemerkt haben. Nicht umsonst hat sie ihn bis ins Grab begleitet und war die Auserwählte, die ihn als Wiederauferstandenen erleben durfte. Da war kein Mann, der diese Existenzielle Nachricht verbreitete. Die Weise, die Sehende war eine Frau. Hier im Museum in Berlin liegt ein Teil ihren Evangeliums, dass seit 1896 bekannt ist. Es stammt von 160 nach Christi. (Ich hab darüber geschrieben: http://schamanin.ninaschmitz.de/2016/03/maria-magdalena-war-jesus-nachste.htmlImmerhin hat die Kirche ihr inzwischen Heiligkeit und einen Feiertag zugesprochen. Wie spannend das ich diesen Satz schreibe – es gibt etwas in uns, dass darauf wartet, die Wahrheit anzuerkennen, bis die Kirche sie endlich anerkannt hat – als würde es dann erst wirklich wahr werden, wenn die da Oben anerkennen, dass Maria Magdalena Apostolin Nr.1 war und endlich der erste weibliche Papst geweiht wird. Diesen weiblichen Weg, den dürfen wir hier auf Augenhöhe neu begehen, auch ohne die da Oben, die gar nicht da oben sind. Wir sind es, die sie dahinstellen. Wenn wir diese uralte Egoverknüpfung auflösen in uns, dann ist Erleuchtung möglich. Wenn wir die Geschichte entmachten, neu schreiben, enttarnen wir die heilig gesprochenen Fesseln. Auch heilig gesprochene Fesseln sind Fesseln, aus denen wir uns befreien können. Augenhöhe und die entwirrte Version von tiefer Verbindung ist möglich und notwendig, dann heilt auch der sexuelle Missbrauch, der so viele betrifft in dieser Gesellschaft.
Ehren wir die heilen Anteile in unsere Vätern. Ehren wir Josef für seinen Samengeschenk an Jesus und dafür dass er ein guter Vater war. Und erlauben wir ihm wieder Sex zu haben mit seiner geliebten Maria, die nicht ganz so unbefleckt sein muss. Möge Gnade einziehen und unsere Sexualität neu ordnen. AHO

Acryl, Bleistift auf Papier, 50 x 60 cm, 2016,

„Keine Ahnung“

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