Sonntag, 14. Mai 2017

Erleuchtung heisst heilen, nichts weiter // Tag 4

Tag 4 
Über Geben, Empfangen und Nehmen, Teil 1/3
Meine Freundin Nicole hat mir letzte Woche in drei Sätzen ein Grundprinzip des Ungleichgewichts in Beziehungen erklärt. Wenn ein Partner zB dem anderen sein Studium finanziert, dann bleibt der empfangende Teil etwas schuldig und wenn das nicht ausgleichen kann, dann erträgt er irgendwann seine Schuld nicht mehr und wird wütend auf den, durch den das vermeintlich ausgelöst wurde, den gebenden Partner, und provoziert zB Streit um seine Wut rauslassen zu können, über die er meint seine Schuld loszuwerden. So oder ähnlich laufen unbewußte Beziehungen und ich kenne das nur zu gut. Oder wenn wir einen Klienten behandeln, der aber aus Freundschaftspreisidiologie oder oder nicht zahlen brauch, baut auch dieser seine offene Rechnung in der Projektion um in negative Emotionen gegen den Behandler. Sehr spannend, denn dieser Baustein, der verdrehten Projektion fehlte mir im Bewusstsein und ich bin voll verwickelt in diese Verwirrung. Hier liegt ein unbewusstes uraltes Gefüge verborgen, was der Beleuchtung von mehreren Seiten wert ist. Ich geh mal wieder auf Perlentauchstation im Schattenmeer.
Ein Phänomen dieses Konstruktes ist, dass der empfangende Teil nicht wirklich empfängt, sonst würde keine Schuld entstehen. Ich hab echt Probleme das Wort Schuld zu benutzen, weil da kirchengeschichtlich soviel Gewalt mit betrieben wurde. Ich versuchs dennoch. Wahres Empfangen ist frei. Bedeutet absolut unschuldig offenen Herzens sein, wie ein Kind, wie ein Säugling, der die Liebe, die Fürsorge, die Muttermilch, das im Arm gehalten sein empfängt – frei von Rückzahlung – es ist selbstverständlich das wir all dies empfangen. Jedes empfangen ist selbstverständlich, Wunder und Geschenke sind unser tägliches Dasein – doch wo ist das geblieben? Wir sind gemacht damit wir empfangen. Genauso wie jeder Baum das Wasser empfängt und die Nahrung aus dem Boden – wie jedes Tier all das empfängt, was es braucht. So ist unser Urdasein – wir sind jedes Geschenk wert und auch jedes, was wir uns zutiefst im Herzen wünschen. Woher kommt diese Konditionierung auf „Vorsicht, da schenkt dir einer was – gleich es ja sofort aus, damit du ihm nichts schuldig bleibst.“ ?
Vielleicht ist das Karma der Menschheit da tätig, denn wir Menschen im Unterschied zu allen anderen Lebewesen sammeln, horte und töten nicht nur für den Bedarf des Überlebens. Wir nehmen uns viel mehr als uns zusteht, schon alleine daraus entsteht eine Schuld gegenüber Mutter Erde, gegenüber allen Lebenwesen, die sich in dieser verdrehten Projektion ganz mies auswirkt. Doch abgesehen von dieser globalen Karmageschichte gegenüber Mutter Erde, wovor hat der Empfangende noch Angst, wenn er ein Geschenk voll reinlässt in sein System? Wir werden, wie rohe Eier ohne Schale, absolut offen, berührbar und empfindsam geboren. Es gibt da keinen Gedanken, ob wir dieses Geschenk wert sind oder was wir dafür leisten müssen, wenn wir es bekommen. Wir nehmen als Säuglinge einfach alles auf. In meinem System schreit gerade alles, weil ich schon als Säugling Sachen in mich hinein gespritzt bekam, die mich vergiftet haben. Ich habe Schutzmauern gebildet, hohe Mauern, dicke Mauern. Und damit ich empfange muss ich mich öffnen, die Schutzmauern runter fahren. Für jeden Menschen der mir etwas schenkt, fahren ich mein Schutzsystem runter. Es gibt auch Geschenke, darüber schreibe ich noch, die sind mit Ketten und Fangseilen und Saugnäpfen versehen – vor denen ist der Schutz eine gesunde Wahl. Geh ich da also weiter rein, dann finde ich guten Schutz und Schutz, der aus alter Gewohnheit noch da ist. Wir dürfen lernen diese beiden Sorten Schutz zu differenzieren und unsere gewohnten Abwehrmauer runterfahren, damit wir wieder empfangen können. Sonst bestrafen wir uns selber und wundern uns warum die Wunder ausgerechnet um uns einen Bogen machen und die Geschenke, obwohl wir wissen, dass sie abgeschickt wurden, nicht ankommen in unseren Herzen. Warum wir uns schuldig fühlen den Absendern der Geschenke und nicht genährt von ihnen. 
Mögen wir also alle wieder Empfangen lernen, damit Wunder geschehen können. AHO

Acryl, Bleistift auf Papier, 50 x 60 cm, 2016,

„Keine Ahnung“

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