Donnerstag, 11. November 2010

Wir sind sterblich!

Heute ist eine liebe Freundin mit einem Herzinfakt zusammen gebrochen. Sie ist Lehrerin und es passierte mitten im Unterricht vor ihren Schülern. Eine wundervolle Frau, und wie zu erwarten eher streng zu sich selber. Ich hoffe, ganz inständig, dass sie diese Warnung überlebt und ihr Leben von Grund auf ändert. Und ich hoffe, dass diese Geschichte alle, die sie erlebt haben kurz inne halten lässt:
Immer wieder werden wir von Zeit zu Zeit auf unsere Sterblichkeit hingewiesen. Klar werden wir alle sterben, das ist absolut gewiss, doch wie selten macht man sich genau diese Situation klar. Jeder von uns kann heute seinen letzten Tag erleben. Jeder von uns kann heute sterben. Das bedeutet Abschied für immer. Was ist es, was ich vergessen hätte zu tun, würde heute mein letzter Tag sein? Was gibt es noch zu sagen? Wem habe ich nicht genügend Anerkennung geschenkt? Wer hätte noch gerade meine Hilfe gebraucht? Mit wem hätte ich noch einmal Spaß haben wollen, mit wem schalfen, mit wem Karten spielen oder tanzen???
Mir fehlt es an Demut, an Dankbarkeit und an Bewußtheit - da bin ich mir sicher.

Dienstag, 9. November 2010

Mut

Gestern habe ich mit meinen beiden Töchtern Harry Potter 1 geschaut. An der aufregensten Stelle des Filmes kommentierten Beide, wie aus einem Munde, Harrys Verhalten mit einem simplen Satz "Ich wäre da nie rein gesprungen." Kann ich voll verstehen, aber wie schade eigentlich!

Aber es stimmt genau, ich wäre auch nicht gesprungen..... der Unterschied zwischen einem Filmhelden und uns ist, dass wir immer alle möglichen Gefahren durchdenken bevor wir handeln und die Abwägung ins Ungewisse zu springen fast immer ausschließen.
Natürlich, die Handlung im Film wurde vom Autoren im Vorhinein geplant und der Held erhält immer zur Belohnung seines Mutes den Erfolg seiner Mission - dieser Satz löst bei mir aus, das im wirklichen Leben alles anders funktioniert, aber tut es das wirklich? Wir sind alle so geprägt von Vorsicht, Abwägen, Zögern - kurz Angst, dass die möglichen neuen Varianten gar nicht in unser Leben treten. Solange wir uns immer wieder auf den gewohnten Pfaden bewegen, kann nichts Neues in unser Leben treten.
Und insgeheim frage ich mich, ob wir Autoren nicht auch den Helden immer wieder diese Erfolge schenken, damit die Zuschauer sich doch trauen, auch im wirklichen Leben so zu handeln. Neugierig, spontan, ins Unbekannte springend! Jeder fiktive Held entspringt der Phantasie eines wirklichen Menschen, entspringt der Vorstellung einer Möglichkeit. Ich bin überzeugt davon, dass vorstellbare Begebenheiten auch eintreten können, dazu habe ich in meinem Leben schon zuviele Wunder erlebt. In Situationen, in denen ich keinen Ausweg mehr sah, hat sich mir unerwartet eine Möglichkeit eröffnet, an die ich niemals gedacht hätte - einfach, weil sie nicht in meinem Blickfeld war.
Deshalb sage ich auch gerne den Zusatz, wenn ich um Hilfe bitte: Und schick mir die Antwort so deutlich, dass auch ich sie kapiere und nicht übersehe!
Aber es stimmt schon, der Film-Held kann sich darauf verlassen, dass sein Autor ihn zum Erfolg entwickeln lässt und wir können uns auf nichts verlassen als uns selber - aber wenn mir als Auot die Lösungen einfallen, dannw erden sie mir wohl auch als Mensch im realen Leben einfallen!

Das sage ich so alles und es hört sich so an, als wäre ich so mutig und stark.... dabei, wenn ich alleine mein direktes Umfeld hier in dieser Sekunde betrachte... ich sitze in der Staatsbibliothek zum schreiben und ich sitze jeden Tag auf demselben Platz, dabei gibt es hier verschiedene Ebenen, Ecken und Richtungen - ich bin echt das Gewohnheitstier par Excelent - gehe immer in die gleiche Bar, immer am gleichen Tag... naja, sagen wir mal so, ich habe immer so Phasen in denen ich das Gleiche tue und dann verändere ich mein Leben für die nächste Phase - ich bin gerade nicht sicher, ob ich es dann immer verändere, wenn es sich bei mir etabliert hat? Und ob ich Alltagstrott so ablehne und meine Ablehnung daraus resultiert? Oder was in meinem Leben passieren würde, wenn ich meinen Beruf so einrichten könnte, dass er in sich, sozusagen täglich Änderungen beinhalten würde? Im Moment zeigt sich mir mein Leben auf jeden Fall so, dass sich alle 4-6 Monate alles total verändert.
Eigentlich mag ich das, denn so passe ich mein Leben immer wieder neu an meine neuesten Erkenntnisse über mich an.
Und das ist die neueste Erkenntnis über mich und Leben überhaupt: Menschsein heißt Veränderung, jeden Tag, dauernd. Und als Ergebnis ist man dann nach einer Weile tatsächlich ein anderer Mensch.
Ich hab gerade nochmal ein Buch über Drehbuchschreiben gelesen, wo der Autor die Causalität von einschneidenden Ereignissen (Dein Partner stirbt, jemand demütigt dich richtig doll oder du verlierst deine Arbeit) auf die Veränderung des Blickes auf die Welt und die damit einhergehenden veränderten Verhaltensweisen des Menschen schildert. Wäre ich als Kind vergewaltigt worden, würden mich heute Beobachter eventuell als schüchtern beschreiben. Wäre ich als Kind permanent von meinen Mitschülern gedemütigt, gehänselt oder verspottet worden, hätte sich meine Weltoffenheit niemals so ausgeprägt - und wieviel sind als Kinder von Kindern gemein behadelt worden - natürlich hat das geprägt und einen anderen Menschen aus jeden einzelnen gemacht, als wäre ich in einem andern Umfeld groß geworden.
Nein, das ist nichts Neues. Wir alle wissen schon lange, dass unser Selbst sich zusammensetzt aus Mitgebrachtem und Erlerntem, aus Genetik und Sozialisation, sagten sie früher. Heute weiß man, dass Sozialisation oft Familientraditionen sind; Generationen von Frauen verhalten sich auf die gleiche Weise zu ihren Partnern und tragen als direkte Konsequenz körperliche Schäden mit sich (z.B. die Niere als Beziehungsorgan reagiert körperlich auf psychisches Fehlverhalten mir selber gegenüber, was ich schon als Kind nachmachend bei meiner Mutter, und die bei ihrer abgeschaut habe). Die gute Nachricht dabei ist, dass mein Nierenschaden nicht vererbt ist, ist also nicht machtlos bin, sondern ich auch meine körperliche Reaktion/Krankheit heilen kann, indem ich die Ursache erkenne und eine neue Verhaltensgewohnheit trainiere. Alles andere als leicht, aber immerhin machbar!

Wenn wir uns klar machen, dass unser Leben aus einer Reihe von eigenen Entscheidungen besteht. Angefangen mit dem Entschluss, wann ich morgens aufstehe, was ich anziehe, esse, wen ich anrufe, wem ich mich öffne und etwas erzähle, was ich von mir zeige, ob ich Rücksicht auf meine Kopfschmerzen nehme oder auf das Gefühl "das würd mir jetzt total Spaß machen" - es sind alles klitze kleine Entscheidungen, die etwas ausmachen, die etwas bewirken und die eine Reihe von ebenso klitze kleinen Konsequenzen nach sich ziehen und so eine Wirkkette von Sein auslösen.
Wenn ich mir klar mache, wie sehr ich also in der Lage bin mein Leben in die eine oder andere Richtung zu manipulieren, dann erkenne ich meine eigenen Freiheit zum Sein.
Meine Entscheidungen sind wahrscheinlich nicht immer richtig, doch wenn ich mich zu ihnen bekenne, auch wenn sie falsch waren, dann bin ich auf dem Weg ICH zu sein.
Jeden Tag dem einen Schritt näher, was ICH bin.
Jeden Tag dem Gefühl näher, dass ich nur noch mache und bin, was sich gut anfühlt, was mir Spaß macht! Ich bin frei.
Und seien wir doch ehrlich, was haben wir denn zu verlieren, was wir nicht schon jedesmal, wenn wir nicht auf uns selber gehört haben, längst verloren hätten.

Donnerstag, 4. November 2010

"Ich bin in NICHTS wirklich gut"

hörte ich meine Tochter sagen...
das geht ja gar nicht, dachte ich - im Zweifelsfall hat sie diese Einstellung von mir... triggert mich auch voll an, der Satz... Ich kenne das Gefühl nur zu gut und ich bin dankbar. für diese Erinnerung, dass es da noch was zu verändert gibt bei mir... ich werd das mal Revue passieren lassen, was da kommt!

Liebe Mi, als Deine Mama kann ich Dir dazu nur sagen: es ist totaler Quatsch! Du kannst ne Menge Dinge besonders gut.
Aber ich nehme an, dass Du das nicht meintest mit "Ich bin in Nichts richtig gut", sondern dass Du das Nichts auf zu bewertende Leistungen in der Schule bezogen hast.
Ich war immer nur eine durchschnittliche Schülerin, im Gegensatz zu Dir!!!
Ich kenne dieses Gefühl - und obwohl ich für mich heute entschieden habe, mich weder als Durchschnittlich noch als Nichts-könnend zu sehen - und eigentlich die Idee hinter dieser Entscheidung hier im Vordergrund steht!
Das Gefühl nicht gut genug zu sein, hat immer damit zu tun, in welche Relation man sich stellt, zu wem man sich in Bezug setzt und wo man den Ausgangspunkt für seinen eigenen Wert hinsetzt. Schaut man immer nur nach Oben, nach den NOCH-Besseren, nach den Stars oder schaut man auf das GANZE System, setzt man sich selber mal wieder in eine andere Relation im Gesamtzusammenhang dieser Welt.*
Das ist keine Kleinigkeit, weil die Energie aus dem Gefühl "gut" zu sein oder eben "es sowieso nicht zu schaffen" einen großen Einfluss hat auf seinen eigenen Ehrgeiz. Man kann sich selber anspornen und beflügeln oder man kann sich in eine negative Spirale herunterziehen. Es ist ein gravierender Unterschied, ob man sich wertvoll, auf dem richtigen Weg und sein Tun als Erfolgsversprechend ansieht oder ob man da sitzt und denkt: ich kann das sowieso nicht, ich schaff das nie, alles ist sinnlos.
Geh in beide Seiten der Gefühle und Du wirst die unterschiedliche Qualität der Energie spüren in Dir.
Die Frage ist jedesmal wieder, wie stoppe ich den negativen Kreislauf, wenn ich drin bin - wenn ich mal wieder zu spät bemerke, dass ich mich den falschen Gefühlen zugewandt habe und in der Abwärtsspirale festhänge - denn das schlimme an der Abwärtsspirale ist das Gefühl der Ohnmacht (von "ohne Macht" sein, als hätte ich nicht die Zügel in der eigenen Hand und könnte es nicht ändern).
Doch ich kann es ändern, immer, zu jedem Zeitpunkt, kann ich mich entscheiden mein Leben zu verändern!
DAS ist die wichtigste Erkenntnis, wenn ich den Zustand der Abwärtsspirale verändern möchte: ich muß erkennen, dass ich einer Lüge auf den Leim gegangen bin: ich kann sehr wohl in mir, ganz alleine, mit meiner eigenen Kraft die Sitaution verändern, das Ruder herumreißen und Schritt für Schritt mich wieder in die positive Richtung bewegen... das geht nicht sütt, total schnell. Ich mag das Bild eines riesen Ozeandampfers gerne, der seine Richtung ändert: man dreht am Steuerrad und nur ganz langsam verändert der Dampfer seine Richtung - würde ich, weil das Schiff nicht sofort auf Kurs SüdWest umspringt gleich wieder aufgeben und das Steuerrad wieder in die alte Richtung wenden, wäre es, als wäre nichts passiert - sondern ich muß konsequent eine Weile durchhalten, bis ich das Ergebniss dann auch im Außen sehe. Die Kursänderung bei Menschen beträgt meist zwei Wochen bis sie sich zeigt, was keine soooo allzu lange Zeit ist - es lohnt sich bei der Veränderung bestimmter Gewohnheiten sich mit einer zweiwöchigen Konsequenz am Ball zu halten und die Ergebnisse z.B. schriftlich zu kontrollieren - Du wirst erstaunt sein:
schreibe den Ist-Zustand auf und mache die Punkte, die sich verbessern sollen aus, plane die Veränderung und plane die Fragen, die Du Dir in zwei Wochen stellen willst und dann lege diese Unterlagen beiseite,
handele zwei Wochen konsequent
und hole die Unterlagen wieder hervor und vergleiche: Du wirst erstaunt sein, dass verspreche ich Dir.
Und diese Erfolgserlebnisse (und damit Du sie auch nachlesen kannst, mache sie schriftlich) die sind von Wert für ein Leben, weil sie Dir zeigen, dass alles möglich ist, was immer Du erreichen willst: weil sie Dich befähigen in die Eigenmacht zu gehen, weil sie Dich befähigen zu erreichen, was immer Du Dir für Dich wünscht.

Ein weiterer Gedanke ist folgender: wir sollten uns alle Abschminken, dass es einen Zustand gibt, indem man der beste und tollste der Welt ist: das Superstar-Denken. Es wird immer jemanden geben, irgendwo zwischen den Milliarden Menschen dieser Welt, der es besser kann, der es genauso kann und jünger ist. Und? Was solls? Dieses Ziel kannst du getrost einfach aufgeben.
Das ist, was mir diese wundervolle Stadt Berlin beibringt. Ich bin groß geworden mit einem Studium in einer der berühmtesten Klassen der Welt: die Becherklasse. Bernd Becher ist in der Kunstszene eine Legende und der Erfolg vieler seiner Schüler erzählt eine eigene Geschichte. Der Name Becherklasse öffnet Türen, ja - aber was sagt das? Es ist wie eine selbsterschaffene Luftblase von Wert, die, wie z.B. die Werbung im TV allgemein, nur exisitiert, weil einer oder mehrere sagen, dass ihr Wert besonders toll ist - aber sobald Du heraus trittst aus dem Dunstkreis dieser Luftblase, ist der Wert absolut gleich Null.
Hier in Berlin kennt kaum jemand Bernd Becher, also, was soll ich sagen - alles worauf ich mich in Düsseldorf verlassen habe, ist hier einfach nicht da. Aber bin ich deswegen weniger wert als vorher in Düsseldorf? Bin ich deswegen anders? Nein. Ich bin die Gleiche, ich habe die gleichen Begabungen und die gleichen Fähigkeiten. Ich bleibe immer die Gleiche. Es ist also egal, wie das Außen mich honoriert. Es ist egal, was für eine Note ich bekomme, oder was für einen meßbaren Erfolg ich im Außen habe: ich bin die Gleiche, auch wenn niemand bemerkt jemals wieder bemerken wird, dass meine Geschichten lustig sind, oder tief oder die Farben meiner Bilder so bunt sind, weil sie Mut machen sollen, selber bunt und mutig zu sein....
Hier in Berlin lerne ich mein Leben, meine Liebsten, meine Freunde als meinen Mittelpunkt zu schätzen. Ich lerne in Berlin, zwischen all den Harzern und armen Kreativen, dass sie alle trotzdem genial sind - ich habe hier ein Potential entdeckt, dass es in der Düsseldofer Kunstszene nicht gab, weil dort alle irgendwo "mitmachen" wollten und dadurch die Freiheit fehlt - und ich habe hier gelernt, dass das Streben nach Klamotten, Autos, Geld, Zeitungsartikeln, Ausstellungen - eben nach äußerem Erfolg, keine Grenzen kennt - es immer jemanden gibt, der mehr hat/größer ist...
das befähigt mich einen ganz wichtigen Schritt in der Entwicklung zu tun:
ich lasse die Wertmaßstäbe los. Ich befreie mich davon. Es ist egal, was Andere sagen, was ich wert bin: ich mache meine Arbeit, weil ich sie machen will. Und egal, wie Andere sie beurteilen, ich mache sie trotzdem. Ich mache sie für mich und weil es mir Spaß macht.
Was ist das Fazit aus all dem???? Ich muß gerade an Laya denken und unsere tägliches Kartenspielen. Uno! Am Anfang hat es Laya jedesmal total verzweifelt gemacht, wenn sie verloren hat - ich weiß nicht, wie oft ich wiederholt habe, dass es doch gar nicht darauf ankommt, ob sie oder ich jetzt gewinnen - das auch keiner was dafür kann, ob er nun gewinnt oder nicht: die Karten kommen eben mal so und mal so. Aber das wir doch hier spielen, weil wir Spaß am spielen haben wollen und doch eigentlich die Spiele am tollsten sind, die ewig lang dauern... und ganz langsam hat sich ihr Blick auf unser Spielen gewandelt und sie freut sich inzwischen wenn ich eine +4 Karte aufspiele, weil sie dann weitere 4 Karten bekommt mit denen sie das Spiel verlängern kann.
Dahinter steckt der alte buddhistische Satz: Der Weg ist das Ziel.
Es ist egal, ob man am Ende gewinnt oder verliert, hauptsache der Weg dahin hat Spaß gemacht. Lass Dir das durch den Kopf gehen, wirklich... fühle nach, überprüfe meine Worte für Dich!
Ich kann nicht sagen, ob meine Erkenntnisse für irgendwen außerhalb meiner Selbst relevant sind, dass kann nur jeder selber überprüfen.

Und dann: Nur, was Du an dir selber wertschätzt, kannst du auch bei anderen wiedererkennen - es passiert nicht so oft, dass man bei Mitmenschen auf diese Faktoren gleichzeitig trifft, deswegen hat man auch nur eine handvoll wahrer Freunde - es erscheint mir doch allzu sinnlos sein Leben vom Lob der Anderen abhängig zu machen, wenn ich mir die Unwahrscheinlichkeit der zusammentreffenden Wahrscheinlichkeitsfaktoren überlege... Zeit, Fähigkeit Anzuhalten, sich und andere wertschätzen...
da scheint es mir eine solidere Basis zu sein, sich selber liebe zu lernen, als sich auf die Anderen zu verlassen. Sich auf eine innere Forschungsreise zu begeben, was mich ausmacht und was ich alles an mir lieben kann - jeden Tag ein Stückchen mehr, ist doch eine feine Idee! Achtsam, aufmerksam, beobachtend und anerkennend - für jede Nuance der Veränderung und für die wachsende Fähigkeit jeden Tag ein Stück stabilere Glücklichkeit in sein Leben zu holen! Denn jetzt bist Du an der Reihe, jetzt ist Deine Zeit! Du bist es wert Dich selber zu lieben!

Ich liebe Dich, meine wundervolle Tochter, Deine Mama!!!!



* Deutlich finde ich dies auch, wenn ich mir all die Menschen anschauen, die permanent über ihre sogenannte Armut jammern. Sie haben hier zu wenig Geld und das ist alles zu teuer - sieht man den Reichtum eines jeden Menschen in diesem Land mal im Gesamtzusammenhang der Welt oder auch im Vergleich der Geschichte der Menschheit, dann sind wir alle unglaublich reich, selbst als Harzer. Vor hunderten von Jahren lebten nur Kaiser mit einem eigenen Bad in der Wohnung und niemand hatte eine Heizung, die man nur aufdrehen brauchte - Küchenmaschinen, Lebensmittelläden, Autos, TV, Reisen.... wir leben in einer sehr reichen Zeit und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich dies erleben darf! Wir haben alle ein Dach über dem Kopf, genügend Essen, Freizeitangebote for free - wir haben alle die Freiheit der eigenen Entscheidung, des eigenen Berufes, nach Bildung - das Internet ist frei und die Bibliotheken sind voller Bücher und Weiterbildungsangebote der Jobcenter sind zwar durchleuchtungswürdig, aber vielfältig und gut - selbst mit dem Zustand der gesellschaft vor hundert Jahren, leben selbst die Ärmsten in Luxus. Es ist die Relation mit der man sich bewertet.
Ich finde es arrogant oder borniert, wenn ich Menschen in diesem Land davon reden höre, dass sie arm wären oder zu wenig Geld hätten.

Freitag, 22. Oktober 2010

ich liebe

Look at this:

und ich?
ich liebe meine girls, die kleine laya und das marie heut 14 wird, meine beiden schönen engel. ich liebe ihre väter – oliver ganz besonders und meinen auch. und meine mum und katharina und joscha, meine geschwister. ich liebe meine lea. ich liebe meine freunde. juli, gabi, ruth, katrin, christine, ralf und ralf und sabine, nicolette. ich liebe berlin und mein leben hier. ich liebe um sechs aufstehn. ich liebe tanzen im fengler und schreiben in der staabi. ich liebe neue ideen erfinden und im cafe sitzen. lesen lieb ich auch und lernen. ich liebe meine wohnung. ich liebe meinen stil, vorallem meine boots. Ich liebe es mir morgens zu überlegen, was ich heute für eine farbe brauche und mich dann so anzuziehen. ich liebe die miss kittykats, die schauspieler und das team. ich liebe meine nase, meine augen und meine haare auch, ich liebe wie es sich anfühlt, wenn man läuft. ich liebe den regen im gesicht und mit geschlossenen augen in die sonne schaun. Ich liebe lachen, malen und sprühen liebe ich auch, am liebsten in pink. oh, ich liebe jughurt und milch. äpfel. bananen mit erdnussbutter, eis mit sahne – vanille am liebsten. ich liebe alleine fotografieren und ich liebe es am set mit dem ganzen team. ich liebe die eine dachterasse, die ich immer noch suche und reisen. ich liebe rosa himmel und buddha. ich liebe romantische kommödien und malerei in museen. fotografie im museum noch viel mehr. ich liebe mein singelleben und meine freiheit, ich liebe allein über den flohmarkt schlendern und karaoke singen – hören noch viel lieber. ich liebe es mir geschichten auszudenken, die gut ausgehn. Ich liebe mut. mutige männer. ich liebe jugendliche als lehrmeister. ich liebe neue menschen kennenlernen jeden tag. ich liebe mein lächeln und auch wie es sich innen anfühlt – in den wangen und augen. lch liebe solche experimente, den ganzen tag zu lächeln und zu zählen wieviele zurück lachen. ich liebe geburtstagfeiern und damit fangen wir jetzt an!

Samstag, 16. Oktober 2010

Mehr Zeit mit meinen Kindern

"Hinter der Angst zu Scheitern lauert meistens die sogar noch stärkere Angst, so richtig Erfolg zu haben und dann auch noch viel Geld zu verdienen. Die Auswirkung: man hält innerlich etwas von sich zurück, gibt nicht alles, schiebt Dinge, die einem eigentlich wichtig sind, und die zu mehr Erfolg führen könnten, auf. Insgeheim glaubt man nicht an seinen Erfolg und erwartet, dass es doch nie so richtig klappen wird."
Anja Walter-Ris aus "Die Angst vor dem Erfolg"

Hier mein Ergebnis nach einer Lektion vom Erfolgscoach Anja Walter-Ris:
Jeder Mensch, der erfolgreich sein will, muß seinen Mangel erkennen, seine Lücken, seine Fehler. Jeder hat welche, das ist ja auch nichts Schlimmes. Wir alle haben Fehler und Lücken und können lernen. Ein Leben lang wird das so gehn, irgendwas gibts immer zu lernen. Und wenn es zum Schluß im Altersheim wieder ist, dass Windeln/die Hilfe anzunehmen...

Ich habe gerade die schlimmste aller Erkenntnisse in mir: ich erkenne meine Lücken, nehme mich regelrecht als hohl wahr, aber ich gehe nicht her und lerne. Schon als Schülerin habe ich aufgehört zu lernen, weil ich mich selber abgestempelt habe, dass ich es nie schaffen kann, die Lücken mit Lernen so zu füllen, dass ich meine Hülle innerlich füllen könnte, dachte ich bis jetzt.
Nie würde ich so gut werde, dass ich so benotet werde, wie es mir meiner Meinung nach zu steht (oder wie ich es brauche um das zu erreichen, was ich will: Aufmerksamkeit meiner Eltern). Es fing damit an, dass ich es versuchte, lernte und in meinen Lieblingsfächern alles gab. Und ich erinnere mich, dass ich richtig gut war. Es gibt z.B. ein Schlüsselerlebnis: meine Freundin, Arzttochter, hat immer gerne meine Hausaufgaben abgeschrieben. Bei der Bewertung passierte es, dass sie für meine Hausaufgaben eine 1 bekam und ich eine drei. Sowas von ungerecht....mir wurde also bewiesen, egal, wie sehr ich mich auch anstrenge, über das Mittelmaß werde ich nicht hinauskommen, ob gerecht oder nicht, nur das Ergebnis zählt - und doofer Weise hatte ich den Schluß gezogen, dass ich für Mittelmaß nicht geliebt würde... keine Chance jemals die Aufmerksamkeit meiner Eltern zurück zu erlangen, die ich mir so sehr ersehnte.
Immer mußten sie nur arbeiten, beide absolute Wokoholiker (sie würden jetzt sagen, es gab immer viel zu tun, ein Leben lang) aber ich war fest davon überzeugt, wenn ich spitzenklasse Leistungen bringen könnte, dann würden sie endlich anhalten und sich um mich kümmern.
Und ich habe gelernt, fleißig, zuverlässig.... und habe es trotzdem nicht zum Erfolg gebracht.

Heute erkenne ich folgendes obendrauf:
ich erkenne meine Lücke, meinen Mangel - rede auch davon, auch mit Anderen. Da liegt nicht mein Problem. Das habe ich gelernt, als ich mich meiner früheren Kritikunfähigkeit gestellt habe. Ich schäme mich nicht für meine Fehler und Lücken, denn ich weiß inzwischen, dass es sehr wohl Dinge gibt, die ich hervorragend kann, aber um eben so richtig erfolgreich zu sein, gibt es ein paar Fähigkeiten, die ich nicht beherrsche, die ich aber lernen müßte - und ich gehe sie nicht an. In den letzten Jahren bin ich die Strategie gefahren, dass man seinen Mangel erkennen muß und sich dann die richtigen Leute ranholen muß, die deine eigenen Lücken schließen. Teamarbeit...
Aber das funktioniert nur parziell. Und wenn Du dich davor drückst etwas zu lernen, was jetzt aber total wichtig für den nächsten Schritt in deinem Job ist, hinterlässt das ein ziemlich schales Gefühl, was sich täglich potenziert.
Und doofer Weise hast du dann irgendwann einen unglaublichen Berg an schalem Gefühl und die Prozedur des Lernens obendrein immernoch vor dir!
Es gibt keinen Ausweg, kein Entkommen, denn irgendwann fällste an genau der Stelle total auf die Schnauze.
Eigentlich macht lernen ja auch Spaß, wenn da nicht der verdammte erste Schritt wäre...
Jeder der Joggt, weiß wovon ich rede: lernen ist wie laufen: es macht Spaß und man muß nur den Anfang überwinden, seine Kondition ausbilden/oder eine gewohnheit umtrainieren und irgendwann läuft es wie von selber, nein, mehr noch: es gibt Hochgefühle noch und nöcher, man möchte gar nicht aufhören: sagte mir mal ein Läufer.

Gestern sah ich den Film Greenberg mit Ben Stiller - eine wunderbare, tiefe Figurenanalyse haben die Autoren da betrieben. Sehr spannend.
Er tat etwas so deutlich, was viele von uns kennen: er mußte telefonieren, seine Hand schwebte über dem Hörer, aber er nahm dann nicht ab und dieser Versuch wurde mehrmals wiederholt, bis eine andere Tätigkeit seine Aufmerksamkeit ablenkte.
Beim zweiten Anlauf war es dann noch schwerer und soweiter.
Das hat mich an mich erinnert:
Ich drücke mich auch immer vor Telefonaten!
Mit tausend Ausreden gehe ich das Thema Akquise nicht an, fülle die Ausreden-Zeit mit harter Arbeit aus den Bereichen, die ich beherrsche - also keine verloren Zeit, aber eben auch kein Ziel, die ich sinnvoll für das lerne, was jetzt am dringensten nötig wäre. Was ich alles erreichen könnte, wenn ich diese schrecklichen Themen endlich angehn würde.....

Wie kommt das? Was hat sich da seit meiner Jugend eingeschlichen?
Mein hinderlichster Glaubenssatz ist: ich habe Angst vor Erfolg, weil dann die Menschen entdecken könnten, dass ich hohl bin und überhaupt nicht die Fähigkeiten besitze, die eines Erfolges verdienen. Ich bin nur mittelmäßig und das verdient keiner Beachtung. Die Mühe lohnt sich nicht zu lernen, weil meine Lücken so groß sind, dass ich es zu Lebzeiten und mit meinen Fähigkeiten nicht schaffen kann, sie zu füllen.
Aber Außen haben ich eine solche schillernde Haut um mich erfunden, um endlich die fehlende Aufmerksamkeit der Anderen zu bekommen und ich bekomme sie, aber ich kann mich nicht richtig zeigen, weil dann meine Hohlheit sichtbar würde, mein Mittelmäßig sein. Prima Pattsituation gegen Erfolg!

Was würde ich mir raten, wenn ich meine beste Freundin wäre?

1. Natürlich lernst du. Wenn es jemanden gibt, der dauernd wissbegierig nach neuen Erkenntnissen über sich selber sucht und sich permanent verändert, dann du. Du bist ein völlig anderer Mensch als noch vor 7 Jahren oder als nochmal 7 Jahre vorher...

2. Die Schale um Dich herum, dass bist du. Das ist ein Teil von Dir, den Du mit Nachdruck ausgebildet hast. Du bist kein Heuchler, sondern du mußt jetzt anfangen die Mängel, Lücken in Dir mit dem gleichem Nachdruck zu erlernen und dann wächst dein Inneres in dein äußeres Kostüm.

3. Du wirst das Thema Akquise diesmal schaffen, weil du hast es schon oft geschafft. Immer wenn du es angehst, mit Nachdruck, dann gelingt es dir auch! Bitte erinner Dich doch auch mal an die Erfolge, an die Sachen, die Du gut machst. Und diesmal keine Emails, sondern alles per Telefon und Life!

4. Du bist nicht hohl, du hast viel in dir, viele Fähigkeiten und Gaben. Du bist eben nicht perfekt und wirst wie jeder Mensch jeden Tag neue Möglichkeiten entdecken und mit jeder Möglichkeit einen neue Lücke, die Du füllen kannst.
Und du wirst geliebt.
Glaub mir, deine Eltern hätten nicht mehr Zeit mit Dir verbracht, wenn Du bessere Noten geschrieben hättest. Sie wären immer die gleichen geblieben, egal wie du gewesen wärest. Du konntest nicht dafür oder dagegen tun, es war einfach wie es war. Du bist völlig unschuldig daran.
Wie sie auch, sie haben ihr bestes gegeben für ihre Situation.
Das nimmt dir nicht die Sehnsucht nach deinen Eltern, aber das Eröffnet dir die Möglichkeit das heute zu erleben, indem du nach Menschen suchst, die nicht soviel arbeiten. Menschen die anhalten wollen, Spaß haben wollen und für die du auch da sein kannst. Ich denke, in deinen Kindern hast du solche Menschen!

Und jetzt soll ich daraus Konsequenzen ziehn und eine neue Entscheidung fällen:
Ok, also: 1-2 Mal Sport die Woche, 10 Fingersystem schreiben will ich schon lange lernen, verschiedene Aspekte über Dramarturgie, jeden Tag schreiben und zwar kein Tagebuch, wie das hier, sondern Geschichten! (Ey, das steht gleich auf deiner Webseite, dass mußt du dann auch einhalten! Jaaa, ich weiß)
Aber das Wichtigste ist: mehr Zeit mit meinen Kindern, oh ja!!!!!!! Mehr Spaß, mehr Anhalten, mehr Pausen, mehr Freizeit, mehr Zeit mit Menschen verbringen, die Lust haben Spaß zu haben! Los, sofort anrufen, wenn du das liest! Und in der Leerlaufzeit, also wenn gerade kein anderer Mensch Zeit hat, dann konsequent lernen!!! Ich muß mir mein igenes Workoholiker-sein abtrainieren und gleichzeitig meine Lernaufgaben machen! Hört sich erstmal ziemlich widersprüchlich an - bin gespannt.

"Die Entscheidung zu treffen und auch durchzuhalten ist oft schwierig... Aber dann lebst Du endlich Dein Potential voll und kannst Dein einzigartiges Licht hell und groß scheinen lassen in dieser Welt: denn dafür bist Du hergekommen!
Verändern wir die Welt – eine Angst nach der anderen.
Ich wünsche Dir Freiheit, Erfolg und Wohlstand!"

wieder Anja Walter-Ris aus "Die Angst vor dem Erfolg"

Sonntag, 12. September 2010

Macht mehr Fehler und macht sie immer schneller

oder "Ich darf sein, wie ich will."

Ja klar, darfste das, denk ich. Und seh dir hinterher, wie du beleidigt auf den Balkon stapfst.

Mir ist noch nicht klar, wo mein Fehler in dieser Situation lag, ob ich mehr über gewaltfreie Kommunikation lernen muß oder einfach damit leben, daß mein Gegenüber, obwohl ich kein Urteil über ihn abgebe, meine Worte trotzdem nutzt, um sich selber zu verletzen.

Irgendwie ist es doch ein fettes Thema in unserer Gesellschaft: Fehler machen dürfen. Du bekommst schlechte Noten dafür, Punktabzug und Schimpfe – hmmmpf.

Als meine kleine Tochter letzte Woche das Bürgersteigende übersehen hat und ohne zu schauen mit dem Rad auf die Strasse fuhr und ich sie danach sofort zur Rede gestellt habe, ernst und bestimmt geschimpft habe, hat sie sich die Ohren zugehalten. War ihr zu heftig, mein Geschimpfe. Das beobachte ich immer wieder bei ihr und sehe auch, daß sie sich schämt für ihre Fehler, daß sie sich persönlich angegriffen fühlt, wenn ich sie kritisiere.

Es macht einen wichtigen Unterschied im Leben, zu begreifen, daß Fehler etwas Gutes sind. Fehler lassen mich wachsen, lernen, besser werden.

Fehler sind der Anfang des Erfolgserlebnisses. Erfolgserlebnisse sind Glücksgefühle. Ich habe etwas geschafft, ich habe etwas erreicht, überwunden, gelernt – und es gibt eine Ausschüttung von Botenstoffen, die mich in einen Höhenflug bringen – und der Anfang all dieser wundervollen Gefühle waren einst all die Fehler, die ich gemacht habe, waren der Mangel, daß ich etwas noch nicht konnte, über dessen Können ich mich jetzt so sehr freue – also muß ich doch absolut glücklich sein über jedes Auftreten von Fehlern, weil sie die Chance in sich bergen, daß ich wieder so ein Erfolgserlebnis haben kann, daß ich wieder eine solche Glückshormonausschüttung erleben darf.

Ich habe ein Bild von mir, wie ich gerne wäre. Ich habe eine Vorstellung, wie eine Situation sein soll oder eine Vision, was ich gerne können würde... sagen wir, ich will an Felsen hochklettern können. Ich kann mir vorstellen, wie sich das anfühlt/ sehe mich im Sonnenschein mit Stirnband und Kreide an den Händen an der Felswand hängen... ich gehe los an den Kletterfelsen im Friedrichshainer Park und komm noch nicht mal einen Meter hoch, meine Hände sind aufgeschürft und meine Unterschenkel brennen am nächsten Tag... ich entdecke meinen Mangel, ich entdecke die vielen Fehler, die ich mache und den weiten Weg, den ich gehen müßte um meiner Vorstellung zu entsprechen – aber nur meine Fehler, an der Felswand sehr deutlich der Fehltritt, der mich abstürzen läßt, lehrt mich, daß ich das nächste Mal besser zwei Zentimeter rechts mich festhalte und das ich Muskeltraining brauche, damit ich überhaupt die Kraft bekomme – Ausdauer ist gefragt im Üben. Das Bewußtsein über meinen Mangel in Kombination mit der Stärke meiner Vision/ das Bild, daß ich doch irgendwann da an der Felswand hänge – das beides treibt mich an... und solange ich meinen Mangel nicht persönlich nehme, sondern daraus so was wie sportlichen Ehrgeiz entwickle, macht es Spaß – ich erlebe auf dem Weg kleine Erfolgserlebnisse aus denen ich unglaublich viel Energie für noch mehr Üben ziehen kann – aber das ich Fehler mache oder etwas noch nicht kann (ich nenne das ganz bewußt „meinen Mangel erleben“) verändert ja nicht mich, also ich bin nicht unliebenswert, wenn ich noch nicht so gut an der Felswand hänge, wie jemand, der das schon 2 Jahre übt – ich bin die gleiche liebe, tolle Frau mit oder ohne diese Fähigkeit. Meine Fähigkeiten, daß bin nicht ICH, sondern das ist erlernbar. Fähigkeiten haben mit Übung zu tun, mit lernen und vielleicht eher mit Disziplin und Ehrgeiz, den ich wiederum aus positiven Erfolgserlebnissen ziehe. Das ist keine angeborene Eigenschaft, sondern eine Erfahrung.

„Macht mehr Fehler und macht sie immer schneller“ heißt die Überschrift in einem Zeitungsartikel aus der "Welt" vor ein paar Wochen. Das Zitat hängt fett in meiner Küche und die Tiefe dieser Bedeutung wächst in mir jeden Tag.

Jeden Tag versuche ich mir klar zu machen, daß jeder der mich kritisiert, mir die Chance schenkt, daß ich etwas lerne, was mich hinterher stolz auf mich sein läßt. Jeder kennt das gute Gefühl, wenn er etwas geschafft hat, was er am Anfang nicht konnte. Dieses Gefühl des Ich-könnte-Bäume-ausreißen oder Mir-gehört-die-ganze-Welt... oh, meine Güte, ich habe das eigentlich viel zu selten, finde ich und ich denke immer, daß all die Stars und erfolgreichen Menschen gerade mit diesem Gefühl so beschenkt sind.... das ist ihr Lachen, was ich mir so sehr für mich ersehne – es ist nicht das Geld, das Auto oder die Villa – sondern das Siegerlächeln in ihrem Gesicht, was mich davon träumen läßt, so zu sein wie sie....

Wenn ich die Reaktion meiner Tochter sehe und weiß, daß sie mich als Vorbild ihres Fühlens und Handelns hat, dann muß ich mir wohl eingestehen, daß ich all meine Fehler, meinen Mangel persönlich genommen habe – dann muß ich mir ansehen, daß ich mich selber verurteilt habe für mein Nicht-können, für mein Nicht-Schön-genug-sein, für mein Nicht-Gut-Genug-Sein... immer wieder stolper ich über diese Glaubenssätze in mir, mit denen ich mich selber fertig mache – „Das schaffst du sowieso nicht.“ „Das ist nicht gut genug, nicht pfiffig genug, nicht lustig genug, nicht was weiß ich denn nicht alles“

Dabei ist dieses Urteil einfach nur die Wahrheit – ja, ich bin noch nicht gut genug. Ich kann das und das tatsächlich noch nicht – aber das ist ja nicht schlimm. Ich bin unperfekt, ich bin noch nicht soweit – aber ich lerne es, weil ich will es erreichen und übe, ich übe jeden Tag...

Diese angebliche Schüchternheit hält mich nur davon ab, keine Erfolgserlebnisse fühlen zu können, wenn ich mich aus Angst zu versagen zurückhalte oder es gar nicht erst probiere.

Buddha hat es auch schon gesagt: der Weg ist das Ziel und ich fange erneut an die Tiefe dieses Satzes zu verstehen.

Vielleicht sollte ich mir ein Ritual ausdenken: jedesmal, wenn ich einen Mangel an mir entdecke: ich kann immer noch nicht gut genug schreiben oder koordinieren – ja, daß hat zur Folge, daß ich noch nicht am Ziel bin mit meiner Idee/ meinem Projekt, daß ich meine Vision noch nicht realisiert habe – aber ich begrüße Dich, mein lieber Mangel, sei willkommen, denn ich weiß, wenn ich es geschafft habe, Dich zu füllen, dann werde ich mich mal wieder so richtig glücklich fühlen. So verschönere ich mir den Weg zum Ziel!

Ist also besser einen Mangel zu entdecken und so die Chance auf ein glückliches Gefühl zu haben – als keinen Mangel zu fühlen und niemals ein glückliches Gefühl zu haben – genau, die Leute denken immer, daß man Glücksgefühle einfach so hat – nein, sie sind das Ergebnis von einer Handlung, die ich getan habe, etwas geschaffen habe.

Ja, das möchte ich meinem Kind vormachen, daß ich ein Begrüßungsritual feiere, jedesmal, wenn ich in Schwierigkeiten gerate, Probleme sich zeigen oder ich meine Fehler bemerke – denn all das sind Situationen, die nur auftreten, weil ich was zu lernen habe und ich deswegen die Chance bekomme, wenn ich die Schwierigkeit gemeistert habe, daß Problem gelöst habe, meinen Fehler durch lernen des Besser-machens aufgelöst habe – dann fühle ich mich wie mein eigener Held: glücklich, frei und als ob ich Bäume ausreißen könnte und davon will ich mehr in meinem Leben und so will ich auch meine Kinder lächeln sehen: das Siegerlächeln auf unseren Gesichtern find ich super!

Und ich scheiß drauf, daß ich früher in der Schule gelernt habe, daß ich schlecht bin, weil ich Fehler mach. Dieses Urteil hab ich schon damals als ungerecht empfunden, die hatten ja keine Ahnung, was in mir steckt, hab ich immer gedacht – und ich habs mich nicht getraut zu zeigen, weil ich dann ja noch mehr Fehler gezeigt hätte – und darin dreh ich mich bis heut!

Dabei: wenn ich andere beobachte – na zum Beispiel, wenn ich im Mauerpark das sonntägliche Karaoke anschau: alles Leute, die vollkommen unvollkommen üben und sich dabei zeigen. Da stehn Leute auf der Bühne, die können weder singen, noch sehen sie gut aus, aber sie bekommen einen tosenden Applaus von den fast 3000 Zuschauern. Sie bekommen den Applaus dafür, daß sie sich trauen, sich zu zeigen, eben obwohl sie so unvollkommen sind. Sie bekommen den Applaus dafür, daß sie ihren Mangel nicht gegen sich verwenden, sondern sich trotzdem lieben. Sie bekommen den Applaus, weil sie den Mut haben, sich mit ihren Fehlern zu lieben. Sie bekommen den Applaus, weil sie sich trauen, sich authentisch zu zeigen – so wie sie sind. Weil sie sich ihrer Selbst bewußt sind.

Und, weil sie geübt haben. Jeder von Ihnen hat zu Hause den Text auswendig gelernt und seine Performance eingeübt. Sie geben sich alle Mühe und dafür werden sie belohnt!

Ich lieb sie dafür, für ihre Fehler, für den Mut. Es ist nicht peinlich Fehler zu machen. Wir sind alle unvollkommen, selbst die, die da unsere Idole und Vorbilder sind - sie üben alle. Vielleicht haben unsere Vorbilder wirklich uns Anderen etwas voraus: vielleicht haben die schon begriffen, daß Fehler und Mangel/ das Unvollkommenheit der Anfang ihres Erfolges ist. Vielleicht feiern sie für jeden Fehler, den sie an sich entdecken, für jede Schwierigkeit auf die sie stoßen, ein Willkommensritual, weil sie begriffen haben, daß darin jedes Mal die Chance liegt noch erfolgreicher zu sein!

Echt verrückt: wenn in jedem Fehler die Chance für Glück liegt und wenn Glück doch mein eigentliches Lebensziel ist, dann bin ich ab jetzt d a n k b a r für jeden Fehler, den ich mache. Juhuuu, ich hab wieder einen Fehler gemacht, voll cool, das dreht meine ganze Erziehung um! Jetzt darf ich endlich sein, wie ich will!

Macht mehr Fehler und macht sie schneller - nehmt euch leicht und eure Fehler sportlich.