Dienstag, 18. Mai 2010

wer weiß schon, was richtig ist und eigentlich weiß ich nichts

Ich versuch das jetzt schon seit fast zwei Jahren - ein neues Leben... ganz fett steht auf der Wand gegenüber WAHRHEIT und lets face the truth! Ich hätte nie gedacht, dass ich so wenig Ahnung von meiner Wahrheit habe...

und ich sie so ungern anschaue - ich greif sie nicht. Dann denk ich, genau, das ist wahr und zwei Tage später merk ich, dass bloß wieder mein Zensor alles klein gemacht hat. Oder ich entdeck eine Sicherheit in mir, fühl mich wohl, höre auf mein Herz "Mensch, ich sehs, der fühlt genauso wie ich." und dann plötzlich steh ich wieder da und denk, "Ey, woher willste das denn wissen, vielleicht biste auf nem falschen Zug und prescht voll in die falsche Richtung davon." Ich hab keine Ahnung, ich weiß nichts, dass merk ich immer wieder - sehr tröstlich, dass Buddha das schon bemerkt hat. Am Freitag hat mir einer was ganz Schönes über sich gesagt "Denken ist nicht so meine Stärke.", ist schon klar, der wollte was Anderes sagen, als das, was ich jetzt so toll finde, aber ich hab ihn echt beneidet und dachte: ich würd auch gern aufhören zu denken und denken für meine größte Schwäche zu halten - wenn mir das immer klar wäre, dann könnt ich doch einfach leben, einfach genießen, einfach sein - ey, ohne dauernd über alles nachzudenken, alles abzuwägen, alles zu überprüfen - einfach machen. Das wär doch voll cool.
Guck mal, vor zwei Jahren bin ich aus meiner Ehe raus und seit dem mach ich mir Gedanken darüber, was ich hätte anders machen können, was ich anders machen werde, wie mein Traummann aussehen soll, was er tun soll, aussehen soll, machen soll - bla, bla... und jedesmal, wenn mir ein Mann begegenet, dann check ich gegen und wer kann da schon durch kommen. Nee, das ist nicht nur wegen den Exen, irgendwie hatte ich das schon immer. Mir ist voll klar - zumindest wenn ich das bei anderen sehe, wie unentspannt es ist, wenn man nur mit den Vorstellungen von jemandem konfrontiert wird. Es macht einfach keinen Spaß - es kann sich überhaupt nichts frei entfalten, fließen und ich wette, die meisten Beziehungen gehen genau daran kaputt, weil einer unbedingt seinen Plan durchdrücken will... mein Typ soll so und so sein, wenn ich ne Party gebe oder ich will jetzt aber mit ihm zusammen ziehn und dann nen Kind - komisch, wenn er nicht will - gehe ich davon aus, dass mein gegenüber immer einen Teil von mir selber spiegelt, dann ist sein Nein, ein Teil von mir, der Teil, wo ich selber dazu nein sage - also wieder, face the truth, wenn er nicht mit mir zusammen ziehn will, dann kann ich nur in mir danach suchen, wo ich nicht will... ich treff z.B. seit ich meinen Mann verlassen habe nur und zwar ausschließlich nur Männer, die noch in einer Beziehung stecken - jetzt hab ich die Wahl: ich kann entscheiden, dass Männer echt scheiße sind, weil sie alle mit mir flirten, mir Hoffnung machen, obwohl sie zu Hause ne Frau sitzen haben - verurteile, verurteile, verurteile - da kann ich schön den üblichen Alle-Männer-Sind-Scheiße-Kram verbreiten - dabei kann ich es gar nicht beurteilen, warum sie ausgehen und flirten - selbst wenn die Fakten für irgendeine Interpretation sprechen, wissen tu ich es nie, also kann ich es mir auch sparen - denn eigentlich lenkt mich das darüber nachdenken, warum andere irgendetwas tun, sie analysieren und genau verstehen wollen - nur davon ab, was denn da mit mir los ist... wieso zieh ich denn dauernd Männer an, die mich nicht ganz wollen? Wieso zieh ich Männer an, die besetzt im Herzen sind? Ich hab fast anderthalb Jahre dafür gebraucht, um mir das richtig einzugestehen, ist ja auch blöde: ich bin immer noch verbunden mit meinem Mann, den ich verlassen habe, scheiße, ja, so ist es. Ich geh aus und flirte, mach irgendwelchen Männern Hoffnung und innerlich will ich gar nicht. Es gibt so etwas wie eine Abmachung, dass ich keinen anderen Mann haben werde - klar, ich geh gerne davon aus, dass mein Ex das auch hat, schließlich weiß ich nichts davon, ob er schon ne andere Frau hatte - aber da kann ich eben auch voll aufm falschen Zug sitzen - ist aber eigentlich auch egal, weil es geht hier nur um mich - ich hab die Liste im Kopf, wie ein Typ sein soll und es hat keiner eine Chance.
Die andere Seite ist aber auch richtig. Es gibt ja nicht wirklich so viele Männer, die so richtig zu einem passen, vielleicht 2% oder sogar noch weniger - dann überleg mal, wieviele Männer du begegnest, die halt nicht passen.
Gestern hat meine Freundin ihren Typen, wegen dem sie nach Berlin gekommen ist, verlassen, weil er ihr auf ihrer Party nicht geholfen hat und Tatort schauen gegangen ist - emotional nervt mich das voll - was ist das fürn Quatsch mit diesen Ansprüchen durch die Gegend zu laufen - Freundschaft muß so und so sein. Wenn einer mich liebt, dann zeigt er das dadruch... es sind doch alles nur Konstrukte aus dem Gehirn, es kann doch alles ganz anders sein. Der Verstand ist so erfinderisch, dass er immer eine Begründung findet, die passt. Und dennoch, sie hat im Grunde Recht, denn was sie spürt und an diesem dämlichen Tatort festmacht, dass ist, dass sie beide nicht zusammen passen und sie sich die Wahrheit anschaut - wahrscheinlich hat es am Anfang sehr wohl gepasst und nun hat sie sich verändert, kann ihr Herz wieder weiter öffnen und der Typ eben nicht - nur blöde, dass diese Erkenntnis dann eine Entschuldigung im Außen finden muß: das der Typ dann gleich sich blöd verhält - vielleicht ist sein Verhalten super. Er bleibt bei sich, macht was er will - egal wie, es ist immerhin echt. Und ich finde das ist eine große Qualität, wenn Menschen echt bei sich sind. Da stößt man auf Grenzen, aber so ist das dann eben, da kann ich dann dran abgleichen, ob ich mit dem zusammen sein will oder nicht. Dann reden immer alle gerne von, ja man kann doch Kompromisse machen: nein, sag ich da nur - klar, nachdem ich acht Jahre mit einem Mann zusammen war, der mir heute vorwirft, er hätte immer gemacht, was ich gewollt hätte - hat er aber nicht. Er hat sicher gemacht, was er gemeint hat, was ich gewollt habe, aber das ist nicht das gleiche - das war seine Vorstellung davon, was ich wollen würde, was aber nicht das ist, was ich wollte - denn wenn einer die ganze Zeit macht, was der andere will, dann zeigt er nicht sich selber - und für mich als sein Gegenüber entsteht dann sowas wie eine wabellige Wand: da ist nichts, da ist niemand, nichts ist echt - da ist keine Grenze, keine Begrenzung auf die ich mich verlassen kann, an der ich mich reiben kann - es ist als ob niemand da wäre - .. Mein Ex hat mir immer vorgeworfen, ich würde einfach machen was ich will - ich habe immer den gleichen Satz geantwortet: "Was soll ich denn machen, was ich nicht will?" und ich finde das nach wie vor richtig.
Niemand, nicht mal die Eltern oder Geschwister, die einen ja nun wirklich Jahre lang erlebt haben, wissen wie man wirklich ist. Jeder im Außen bekommt mich nur in Ausschnitten mit, niemand weiß, wie ich wirklich bin. Ich bin die Einzige, die sich mir selber annähert und auch das, in Wirklichkeit, ändert sich. Ich ändere mich dauernd. Irgendwo tief in mir drin ist ein Wesenskern, nennen wir es meine Seele, die ist und bleibt, aber da drum herum sind Erfarungen, Glaubenssätze, Verurteilungen von Anderen (wie Krusten, die das wahre Ich verdecken) und das alles hat Einfluss darauf, wie ich mich nach Außen verhalte - das ist aber nicht das gleiche, wie, wer ich bin, aber die Anderen nehmen nur das Verhalten wahr als wäre das mein Sein. Wenn ich davon ausgehe, dass ich immer richtig bin, dass jede Erfahrung seinen Sinn macht - Schmerzen um mich auf eine Lektion aufmerksam zu machen/darauf, dass ich was verändern muß und Freude/Glück/Liebe um mir zu zeigen, dass ich richtig bin, dann kann ich hier langsam meinen Weg gehen. Wenn ich andere beurteile, heißt das aber auch, sie sind immer richtig - krass, wenn ich an Mörder, Vergewaltiger oder so denke - aber wenn ich davon ausgehe, dass jede Erfarung ein Prozess ist, den ich brauche um meinem Sein näher zu kommen, könnte ein Sinn darin liegen, dass ich eine so krasse Erfarung brauche, um hinterher so richtig fett zu merken, dass ich voll, aber voll schief gewickelt war und es echt nicht tiefer geht und es an der Zeit ist all diese Krusten abzusprengen und sich selber wieder zu finden. Wenn ich dann an die Opfer denke, mag ich einknicken und gar nicht weiter philosophieren - auch wenn Tipping, Spezzano oder Buddha da klare Wege gehen, ich bin durch dieses Thema noch nicht durch. Da steh ich immer noch auf der Seite der Opfer und verurteile Täter.
Mir ist schon klar, dass ich keine Möglichkeit habe andere Menschen zu beurteilen, das dadurch eigenlich unser ganzes Rechtssystem adabsurdum geführt ist. Auf der anderen Seite gibt es eine Alltagswelt in der Menschen nach Regeln miteinander auskommen müssen, Grenzen ganz klar sein müssen. Und es gibt die Ebene, wo ich Erfahrungen mache, um mich selber zu entwickeln, ob ich das nun bewußt mache oder unbewußt, machen tut das jeder. Jeder steckt in einem Prozess und wenn es der ist, in diesem Leben nichts zu sehen und hören zu wollen und einfach nur auszuhalten - ist ja vielleicht auch richtig, wer weiß das denn, wer kann denn schon beurteilen, ob es für diese Seele nicht richtig ist, in diesem Leben einfach mal nichts zu tun und zu schlafen. Wo bin ich jetzt schon wieder gelandet? Wollt doch einfach nur feststellen, dass ich schon seit zwei Jahren hier rumhample und immer noch nicht angekommen bin. Und ich immer wieder feststell: siehste, ich weiß nichts.

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