Sonntag, 13. März 2011

Nina Schmitz über Ihre und Laras Kolumne „Ich will einen MANN !!!“

Ich war gestern das erste Mal aus, nachdem unsere Kolumne so erfolgreich gestartet ist... alle haben es gelesen ‡ das ist unglaublich für mich. Ich freue mich so darüber! ‡ ‡ ‡ *** Nachdem wir nun schon so lange an diesem Projekt arbeiten, wurd es so Zeit, dass wir endlich in die Öffentlichkeit gehen und einen Teil des Projektes „Happy Together in Berlin“ zeigen. Vielen, vielen Dank für die Resonanz, für die Komplimente und vor allem für das Gefühl begleitet zu sein!

In den Gesprächen über Laras Kolumne folgt dann gleich nach dem Beifall die Frage, ob ich denn schon einen Mann gefunden hätte. Und ob sie denn auch in der Kolumne vorkommen würden. ‡ ‡ ‡ ‡ verschwiegen lächelnd drehe ich mich um....

Natürlich, irgendwie kommt jeder Mensch, den ich kenne und jemals gekannt habe in allem was ich schreibe vor. Und ja klar, ich bin Single und schaue mich auch nach Männern um, ich hab nicht eine Tochter, sondern gleich mal zwei davon. Ich bin auch Lara, aber am besten ist es so zu beschreiben: alle Figuren sind ein Teil von mir. Ich bin Lara, ich bin aber auch Jap und Poupette und ich bin auch ihre lesbische Freundin Coco, obwohl ich nicht lesbisch bin, ich bin Gunna.
Und ich bin auch Georg, der sein Herz so lange schon verschlossen hat, dass er gar nicht mehr bemerkt, dass er es verschlossen hat. Vielleicht bin ich sogar am meisten Georg oder die 75 jährige Poupette... ich habe keine Ahnung, wie es sich wirklich anfühlt 75 zu sein. Außer vielleicht von den schwerfälligen letzten Monaten meiner beiden Schwangerschaften – da zumindest dachte ich immer, so muss man sich mit 80 fühlen... Wer mich kennt weiß, dass diese Leoparden-Leggins tragende und mit pinker Plüschjacken Mofa fahrende Oma mir mehr ähnelt als Lara – klar schau ich auf die Erinnerungen an meine liebe Oma (die niemals Leopard oder Pink getragen hätte!) wenn ich als Poupette schreibe, aber was da zusammen kommt in einer Figur ist eine zusammengezogene Erfahrung. Im gewissen Sinne Realität, aber nicht tatsächlich gelebte Wirklichkeit.
Leider schreibt das Leben eben nicht wirklich Filme, auch wenn man sich oft so fühlt. Der dramaturgische Bogen spielt sich im wirklichen Leben meist im Innern ab. Man erkennt die Zusammenhänge in sich. Gezeigt im Film würde die Betrachter nichts kapieren, weil Ihnen Deine gelebten Erfahrungen fehlen, durch die Du Deine Causalität begreifst. Was tun wir Autoren um dieses Problem zu lösen? Wir bringen den Inneren Konflikt nach Außen, machen ihn durch eine Figur im Außen sichtbar. Wir machen den inneren Schweinehund z.B. zu einer Figur. Und ja klar, dann schau ich als Autorin: gibt es einen Menschen der diese Idee von Trägheit, nicht vom Fleck kommen wollen verkörpert und dann zieht man seine eigenen Erfahrungen und diese Person zusammen zu einer fiktiven Figur, die mir nützlich ist für diese Geschichte.
Gibt es diese Figur dann in echt? Nein, sie ist maximal ein Spiegel dessen, was ich über jemanden gedacht habe. Interpretationen sind spekulatius, ist doch klar. Und das kommt natürlich von Spekulation, nicht von diesen Keksen. Vielleicht kommt es auch von Weihnachten und den Geschenken, bei denen man nie weiß, was wirklich drin steckt. Was ich sagen will ist, dass wir unsere Interpretationen über einen Menschen nicht verwechseln sollten mit dem Menschen selber. Niemand kann wirklich sagen ob sie stimmen unsere Interpretationen. Niemand kann sicher sein.
Natürlich habe ich all diese Männer gekannt, über die ich schreibe. Aber Gunna ist nicht der eine oder der Andere, sondern er ist eine Verschmelzung mehrerer und die Situationen die Lara erlebt sind meine komprimierten Lebenserfahrungen aus 43 Jahren.
Oder Jap: ich lerne von meiner großen Tochter und von der Kleinen auch, wie Jap sein könnte – aber vor allem kann ich mich an meine Jugend erinnern und an meine gelebten Gefühle, die ich an Jap weitergeben kann. Das macht die Figur erst lebendig. Ich glaube Marie würde sich beschweren, wenn jemand denken würde, sie wäre Jap. Und das würde vor allem auch ihr schauspielerisches Talent schmälern, wo sie diese doch spielt. Wer Marie erlebt und sich den Miss Kittykats Streifen auf der Fanseite ansieht, weiß was ich meine!
Wenn ein Film etwas über einen Autoren aussagt, dann ist es der Klang, die Farbe, die Schwingung und die Lebenserfahrung die durch die Blume gesprochen dahinter steht. Alle Personen entspringen meiner Phantasie und jede Einzelne ist ein Teil von mir.
Ich bin Happy Together in Berlin und das meine ich wörtlich mit allen Nuancen die dazugehören! Ich bin glücklich in Berlin und ich bin zusammen mit vielen Freunden. und dieses wundervolle Geschenk, was mich diese Stadt immer wieder erleben lässt, was ihr Menschen hier mich immer wieder erleben lasst, ist zu diesem Projekt geworden.
Ich bin so dankbar über meine letzten drei Jahre hier in Berlin, die mein Leben aufs grundlegendste verändert haben. Ich bin so dankbar für all die Freunde und Wegbegleiter. Und ich möchte diese Erfahrungen weiter geben, weil sie mir den Arsch gerettet haben.
Ja, meine Freunde: ihr habt mir meinen verdammten Arsch gerettet und ich bin euch Tränen-in-den-Augen-stehend dankbar dafür! Ich kann das erste Mal in meinem Leben sein, wie ich bin und !!! ich werde dafür geliebt. Und das ist das großartigste Gefühl, was mir je begegnet ist.
Und wenn ich das kann, dann kann das jeder. Ich bin weder besonders, noch weiß Gott wie talentiert oder mutig – ich habe ganz normale Vorraussetzungen, die jeder von Euch auch erfüllt! Diese Hoffnung ist es, die ich weitergeben möchte. Ich möchte erleben, dass diese Welt ein Stückchen schöner wird. Bunter, schräger – eben so, dass jeder darin Platz hat. Du und ich. Juden, Schwarze, Weiße, Frauen, Künstler, Müllmänner, geniale Erfinder, einfache Menschen, wie-wild-kompliziert-denkende Menschen, wilde-Sexorgien -Menschen, genauso wie prüde-stille Menschen – und jeder wird schon jetzt seine Gefühle dieser Aufzählung gegenüber bemerken: die einen halte ich für schrecklich, die anderen für toll und meine innere Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.
So ist Leben. Keiner außer ich selber weiß, wie wild oder prüde ich sein muss um ich zu sein. Alles darunter bewerte ich dann als zu prüde und alles darüber als zu wild. Und kann ich diese Bewertung auf meinen Nächsten übertragen? Nein.
Wenn ich wirklich anfange authentisch ICH zu sein, dann erlebe ich, dass ich gleich mal mehrere meiner alten Bewertungen rauswerfen muss um mich über meine eigene Moral und meine Glaubenssätze hinwegzusetzen.
Ich fand z.B. meditieren immer blöd, dachte das wäre was für Spiris, aber nun muss ich feststellen, dass es mich erdet, beruhigt und glücklich macht, also werf ich doch meine Bewertung über Spiris über Bord und geh lieber Meditieren als mir dieses Glück entgehen zu lassen, oder? Oder ich geh gern tanzen in soner Testosteronbar um die Ecke und fand die Kerle erst unerträglich. Inzwischen lieb ich sie, wir haben jedes Wochenende soviel Spaß miteinander – und ich habe meine Bewertungen über die dauer-abschleppenden-One-night-Stand-Männer geändert. Ich muss ja nicht mit ihnen bumsen, aber meine Freunde können sie sein!

Ich wünsche mir für jeden Einzelnen, dass er es schafft, so zu leben wie er ist. Sich so zu verändern, dass er erleben kann, was zu ihm gehört. Was immer sein Weg auch bedeutet. Ob er den Hass auf Schwule überwinden muss, weil er endlich einmal selber mit nem Mann schlafen sollte. Ob jemand die Bibel lesen sollte um sich zu entwickeln und meint das ginge gar nicht: doch, es geht. Wir alle sind eine sich permanent verändernde Masse. Da nichts bleibt, wie es jetzt ist und Du in einem Jahr schon wieder ein ganz anderer Mensch sein wirst, probier es aus. Geh und lebe dein Leben, verändere Deine Einstellungen den Dingen gegenüber, die du Dir verbietest. Mach es einfach.
Mein Leitspruch ist da simpel: Go for it!

Und um die Frage zu beantworten: Nein, ich suche keinen Mann. Mein größtes Baby ist dieses Projekt. Es ist mein Traum, meine Vision Es ist mein absolut größtes Bedürfnis dieses Projekt, diese Lebensidee hinaus zutragen und sichtbar zu machen.
Wahrscheinlich bin ich wirklich mehr Mann als Lara. Zumindest mein Exmann wird das jetzt Freude strahlend bestätigen: ich lebe für meine Arbeit – ja, Du hast Recht! Ich liebe meine Arbeit und ich bin heil froh, dass meine Töchter immer Teil meiner Arbeit sind!!! Für einen Mann ist da irgendwie gerade gar kein Platz! Obwohl, da fällt mir gerade auf, dass auch alle viel-arbeitenden-Männer Frauen haben, die bekommen das ja auch beides unter einen Hut – na vielleicht sollte ich das noch mal überdenken und mal wieder einen Mann suchen: ich sollte mir wohl meine Lara mal als Vorbild nehmen!

Nina im März 2011

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