Montag, 7. November 2016

Wenn ich über Kaffee oder andere aufputschende Substanzen

nachdenke, dann kommen im gleichen Atemzug auch stressmachende Gedanken in uns, Chefs, Kollegen oder Fittnessprogramme, die uns antreiben sollen, mit aufs Trapez.
Unsere Überforderung, unsere Langsamkeit, Müdigkeit, die Unfähigkeit Multitastking zu sein ist in dieser Leistungsgesellschaft ein großes Thema. Der Körper reagiert von Schnupfen – ich habe die Nase voll, zu Rückenschmerzen – ich trage zu viel bis hin zu Burnouts, Herzinfarkten und Schlimmeren. Auch hier wieder: es gibt viele Wege, die gangbar und berechtigt sind. Ich habe den gewählt auf dem ich mich einer Langsamkeit, meiner Müdigkeit und meiner Fürsorge für meinen Körper stelle. Früher war ich schnell, multitasking, leistungsorientiert – heute bin ich langsam wie eine Schnecke, still und auf eine Sache fokussiert. Diese Stelle ist mir tatsächlich die schwerste Verleugnung, die ich in meinem Leben erkenne und durchfühle. Ich hatte das falsche Tempo, wollte schnell und super sein, damit ich Anerkennung bekomme. Ich falle tatsächlich raus aus dem Raster der Norm dieser Gesellschaft und das Halten dieser Wahrheit fällt mir unglaublich schwer. Schon seit vielen Jahren trinke ich keinen Kaffee, keinen Tee, kein Guarana mehr um schneller irgendwo anzukommen, länger zu leisten oder lustiger zu sein - ich schlafe, wenn mein Körper Müdigkeit signalisiert. Ich komme dann zwei Tage später an als andere. Ich weiß nicht, was besser oder schlechter ist – ich weiß nur, dass mein Körper mir immer heiliger wird. Ich habe keine Garantie für diesen Weg und ich weiß nicht, wo er endet und ob er gut oder schlecht endet. Ich kann nicht mal mir selber eine Heilungsgarantie geben. Ich habe einfach diesen Weg gewählt und gehe ihn immer konsequenter. Mein Leben wird immer schlichter, ruhiger und einfacher. Und es tut mir gut. Ich bin im Hier und Jetzt und fühle was sich zeigt, reagiere direkter auf meinen Körper. Ich werde weniger krank und fühle mich schön und gut, auch wenn ich mitten in Krisen stecke oder mal wieder eine Welle der Veränderung ansteht. Früher hatte ich dauernd Angst, vor der Zukunft, vor Auseinandersetzungen, vor Einsamkeit, vor Verlassenwerden. Ich habe diese Ängste über mehrere Jahre gefühlt, ohne ihnen mit Todolisten oder Dates entgegenzutreten, ohne verhaltenstherapeutische Gegenmaßnahmen oder körperliche Antreiber, sondern ich hab sie genommen wie sie kamen. Heute sind bestimmte Gefühle immer noch da, aber ohne Angst. Stattdessen kann ich sie lieben, still und hier. Mein Erleben hat mich erfahren lassen, dass ein Gefühl, was ich tief in berühre, meinen ganzen Körper durchfährt und dann ausfließt.
Wie eine Zyste, eine verschlossene Blase, sitzen die Gefühle im Körper angelagert, gefüllt mit Energie - fühlen wir es, durchfährt es unseren ganzen Körper, als würde ein Sekret sich in alle Poren verteilen und dann abfließt. Und dann ist diese Blase leer, weg. Dann ist an der Stelle, wo sie vorher gepiekt, gedrückt hat, plötzlich Platz, Weichheit. Liebe. Ich kann es körperlich richtig spüren, diese Liebe, diesen Platz, der neu entsteht. 

Fühlen ist ein heilender Weg und er ist kostenlos, wir haben ihn immer dabei. Ganz schlicht, ganz tief und erfolgreich. 

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